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Allgemein

Stealth Technology durch Bariumhexaferrit und ultrafeines Kupferpulver im Lack

Es wird bereits seit 2008 intensiv mit den verschiedensten Additiven in verschiedensten Kombinationen geforscht, um Lacke zu entwickeln, die ihren metallischen Träger ein radarabsorbierendes Tarnkleid verpassen. Im Jahr 2022 wurde ein sehr interessanter Test mit Bariumhexaferrit und ultrafeinem Kupferpulver in Kombination publiziert, der Radarstrahlen um ein Drittel absorbierte. Im Jahr 2023 wurde plötzlich viermal so viel ultrafeines Kupferpulver verkauft wie im Jahr zuvor.

Die Technik

Polymerverbundwerkstoffe haben aufgrund ihres geringen Gewichts und ihrer einfachen Verarbeitung sowie ihrer außergewöhnlichen Kombination von Eigenschaften Einzug in alle Bereiche unseres Lebens gehalten. So sehr, dass diese Materialien in der Raumfahrt, der Luftfahrt und sogar in der Verteidigungsindustrie zu finden sind. In diesem Zusammenhang wurde der Einsatz von Polymerverbundwerkstoffen für Radarabsorptionsanwendungen diskutiert. Radar ist ein System zur Erkennung von Objekten, das elektromagnetische Wellen nutzt, um Informationen wie Entfernung, Höhe, Richtung oder Geschwindigkeit von Objekten zu ermitteln. Dieses System kann sowohl bewegliche Objekte wie Flugzeuge, Schiffe und Kraftfahrzeuge als auch stationäre Objekte wie Land erkennen. Auch Informationen über Wetterformationen können mit Hilfe von Radar gewonnen werden. Diese Technologie, die die Luft- und Seekriegsführung revolutioniert hat, ist eine der wichtigsten technologischen Entwicklungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Tatsächlich wurde der Begriff RADAR 1940 von der US-Marine als Abkürzung für RAdio, Detection, And Ranging geprägt. Später gewann es nicht nur für militärische und polizeiliche Anwendungen an Bedeutung, sondern auch für Flugmanöver und -erfassung, meteorologische Datenerfassung.

Wenn man sich das Funktionsprinzip des Radars anschaut, scheint es recht einfach zu sein: Ein Signal wird ausgesendet, es prallt an einem Objekt ab, und dieses zurückgeworfene Signal wird dann von einer Art Empfänger aufgenommen. Dies beruht auf demselben Prinzip wie das Echo des Schalls an einer Wand. Allerdings wird im Radarsystem nicht der Schall als Signal verwendet, sondern Mikrowellen werden verwendet. Die Stärke der Reflexion und Brechung dieser Wellen hängt von den Eigenschaften und der Oberfläche des Materials ab, von dem das Signal gesendet wird. Trifft das Radarsignal auf eine vollkommen ebene Oberfläche, wird das Signal in eine Richtung reflektiert. Trifft es auf eine unebene Oberfläche, wird es in mehrere Richtungen reflektiert, wobei nur ein sehr kleiner Teil des ursprünglichen Signals zum Empfänger zurückgesendet wird. Eine andere Möglichkeit zur Reduzierung des reflektierten Signals besteht darin, dass das Signal von dem Material, das es durchquert, absorbiert wird. Die radarabsorbierenden Materialien, die wir kennen, verfügen über einen Mechanismus, der die eintreffenden Radarsignale im Inneren einfängt und verhindert, dass sie reflektiert werden. Die ältesten Formen dieser Materialien wurden von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs verwendet.

Bariumhexaferrit- und ultrafeines Kupferpulver wurden für die Herstellung von radarabsorbierenden Verbundbeschichtungen verwendet. Bariumhexaferrit-Pulver wurden nach der Sol-Gel-Methode synthetisiert, und als Ausgangsstoff für den Syntheseprozess verwendet. Nach dem Syntheseprozess wurden Mischungen hergestellt, indem Bariumhexaferrit- und ultrafeines Kupferpulver in unterschiedlichen Mengen zu einem Polyurethanharz gegeben wurden (um die Konzentrationsabhängigkeit zu bestimmen). Durch Auftragen dieser Mischungen auf die Oberflächen von Glas- und Metallsubstraten wurden Beschichtungen mit einer Dicke von 3 mm erhalten. Anschließend wurden sie bei Raumtemperatur an der Luft getrocknet.

Betrachtet man die Morphologie von Bariumhexaferrit, so sieht man, dass es glattkantige, plattierte Partikel hat und die durchschnittliche Partikelgröße etwa 5 μm beträgt. Bei Kupfer handelt es sich um relativ große, Partikel im Größenbereich von 7-10 μm.

Der Radarabsorptionswert der Probe, die 5 % Bariumhexaferrit und 10% Kupferpulver enthält, absorbierte maximal 11,38 %, während der Absorptionswert der Probe mit mehr Kupfer anstieg und 12 % überstieg. Ein maximaler Wert kann theoretisch bei über 80% Absorption liegen.

Was den Mechanismus von Kupfer angeht, so absorbiert Kupfer keine elektromagnetischen Wellen. Der Mechanismus der Radarabsorption in Kupfer unterscheidet sich geringfügig von dem in Bariumhexaferrit. Wenn die elektromagnetische Welle auf die Kupferoberfläche trifft, treibt das elektrische Feld die Ladungsträger (Elektronen) zur Erzeugung eines Wechselstroms an. Wenn die elektromagnetischen Wellen auf die Kupferoberfläche treffen, schwingen die freien Elektronen mit dem sich ändernden elektrischen und magnetischen Feld und erzeugen so einen elektrischen Strom. Der erzeugte Wechselstrom erzeugt in und um den Leiter ein magnetisches Wechselfeld. In diesem Fall entsteht eine elektromagnetische Gegenkraft, die die Ladungsträger dazu zwingt, auf der Leiteroberfläche zu bleiben. Das bedeutet, dass ihre elektromagnetischen Wellen von den Elektronen im Metall absorbiert werden oder sich in dieselbe Richtung zurück ausbreiten. Gleichzeitig geht ein Teil der elektromagnetischen Energie als Wärme verloren.

Die Untersuchung dieser Ergebnisse zeigt, dass die mit Bariumferrit- und Kupferpulver verstärkten Beschichtungen höhere magnetische Sättigungswerte aufweisen als die Einzelschichten. Mit zunehmender Menge an Bariumhexaferrit und Kupfer nimmt der Radarabsorptionswert zu. Die Hinzufügung von Bariumhexaferrit und Kupfer führte also zu einer guten Synergie in Bezug auf die Erhöhung der Absorptionsleistung. Diese Synergie ist darauf zurückzuführen, dass die Zusatzstoffe mit ihren magnetischen und elektrischen Eigenschaften separat zum Verbundstoff beitragen. So wurde der Mechanismus jedes Zusatzstoffes aktiviert und die Radarabsorptionsleistung auf unterschiedliche Weise erhöht.

Der Markt von Kupferpulvern

Kupferpulver wird vermehrt in Russland, Kanada und in Chile hergestellt. In Kanada und Chile wird meist biologisches nahezu rundes Pulver hergestellt, welches auch in Pharmalogischen Anwendungen zu Hause ist. In Russland wird fast ausschliesslich Kupferpulver für technologische Anwendungen gefertigt.

Mit dem (warmen) Krieg, den Russland 2022 gegen die Ukraine angefangen hat, hat sich der Markt in vielen Bereichen des globalen Handels verändert. Westliche Banken nehmen nur sehr vereinzelnd Überweisungen an, die aus dem Verkauf von russischen Waren stammen. So haben sich tausende von russischen Firmen neu strukturiert und ihre Firma in Russland abgebaut und in Nachbarländern wieder aufgebaut, sind einfach mit ihren Maschinen umgezogen oder haben gar einen Neuanfang im Ausland gestartet. Im Resultat sehen wir heute Kupferpulverproduzenten entlang der russischen Grenze von Estland bis Kasachstan.

Da die meisten Produzenten von ultrafeinen metallischen Pulvern Kunden von uns sind, sind wir recht gut in der Lage den Markt für ultrafeines Kupferpulver zu beobachten. Wir haben vermehrt grosse Mengen im Verkauf gesehen. So haben wir im Jahr 2018 den globalen Handel noch mit rund 20 Tonnen eingeschätzt. Im Jahr 2023 haben allein wir über 60 Tonnen den Besitzer wechseln sehen. So dass von einem derzeitigen jährlichen Handelsvolumen von rund 100 Tonnen ausgegangen werden darf.

Da der Bedarf in den anderen Anwendungsbereichen von Kupferpulver nicht derart in den letzten fünf Jahren gestiegen ist, gehen wir von einem neuen Player aus, - dem Militär. Die bekannten Anwendungsgebiete von Kupferpulver sind: Elektronik, Halbleiter, Antibakterielle Beschichtungen, 3D-Druck, Pharmalogie, Lackhersteller. Für das Militär wären die Anwendungsmöglichkeiten schier grenzenlos. Vom Satelliten bis zum Truppentransporter könnte alles für moderne Radargeräte unsichtbar sein. Dieser taktische Vorteil könnte dem Militärs dieser Welt mehrere Milliarden USD wert sein. Wir werden den Markt weiterhin beobachten und wieder berichten.

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Hafnium

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Hafnium

Hafnium ist ein hartes, duktiles Metall mit strahlendem Silberglanz. Hafnium ist relativ säurebeständig. Seine chemischen Eigenschaften sind Zirkonium sehr ähnlich. Das chemische Verhalten dieser beiden Elemente ist ähnlicher als bei jedem anderen bekannten Elementpaar.
 
Die wichtigsten Anwendungsgebiete von Hafnium ist in Steuerstäben von Druckwasserreaktoren,  in Superkondensatoren, Halbleitern, als Superlegierung für die Luft- und Raumfahrtindustrie und in Hochtemperaturkeramiken. Tantal-Hafniumcarbid mit einem Schmelzpunkt von 4.215 °C (7.619 °F) ist eine der feuerfestesten bekannten Substanzen.
 
Hafnium wird ausschließlich als Nebenprodukt der Zirkoniumraffination gewonnen. Die weltweit führenden Exporteure von Zirkoniummineralkonzentraten sind Australien und Südafrika.
 
Der globale Hafnium-Markt beträgt schätzungsweise 80 Tonnen jährlich. Die Hafniumproduktion konzentriert sich auf nur eine Handvoll Länder: China, Frankreich, die USA und Russland.
 
Framatome, ein Tochterunternehmen des französischen Elektrizitätsunternehmens EDF dominiert den Markt für nukleartaugliches Hafnium.
 
In den wichtigsten Industrieländern und China gilt Hafnium als kritischer Rohstoff.
  • Geschichte

    Der niederländische Physiker Dirk Coster und der ungarisch-schwedische Chemiker George Charles von Hevesy entdeckten Hafnium 1923 in norwegischen und grönländischen Zirkonmineralen, indem sie deren Röntgenspektren analysierten. Sie benannten das neue Element nach dem neulateinischem Namen für Kopenhagen (Hafnia), der Stadt, in der es entdeckt wurde.
     
    Seine Geschichte ist geprägt von einer langen Suche. Dimitri Mendeleev sagte bereits 1869 ein Element mit ähnlichen Eigenschaften wie Titan und Zirkonium voraus. Viele Wissenschaftler suchten es vergeblich, darunter Georges Urbain und Henry Moseley. Fehldeutungen führten zu falschen „Entdeckungen“ wie „Celtium“ 1911, das sich später als Lutetium erwies.
     
    In den 1940ern nutzte die US-Atomindustrie Hafnium für Kernreaktor-Steuerstäbe, da es — im Gegensatz zu Zirkonium — Neutronen stark absorbiert.

     

  • Verwendung

    Der größte Anwendungsbereich für Hafnium ist die Luft- und Raumfahrtindustrie. Dort kommt es in Superlegierungen für etwa Triebwerke und in Form von hafniumhaltigen Beschichtungen für Hochtemperaturkomponenten zum Einsatz.
     
    Ein weiterer bedeutender Hafniumverbraucher ist die Atomkraft. Aufgrund seines hohen Neutroneneinfangquerschnitts und seiner hervorragenden mechanischen Eigenschaften wird Hafnium in Steuerstäben von Kernkraftwerken verwendet.
     
    Auch in der Mikroelektronik und Halbleiterindustrie spielt Hafnium eine Rolle. In Kondensatoren  wird Hafnium als High-k-Dielektrikum eingesetzt. Es kann Siliziumdioxid ersetzen, was dünnere Isolationsschichten ermöglicht, was die Leistungsfähigkeit und Miniaturisierung von Halbleiterbauelementen verbessert.
     
    Neue Erkenntnisse über die Eigenschaften von Hafniumoxid legen nahe, dass diese Materialien eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung neuer Speichertechnologien spielen könnten. Aufgrund der Ferroelektrizität von Hafniumoxid können Daten auch ohne Strom über längere Zeit gespeichert werden. Diese Speicheranwendungen können den Weg für größere und schnellere Computersysteme ebnen, indem sie die durch die kontinuierliche Datenübertragung in den Kurzzeitspeicher entstehende Wärme reduzieren.

     

  • Vorkommen, Abbau, Gewinnung

    Die wichtigsten Minerale für die kommerzielle Gewinnung von Hafnium sind Zirkon und Baddeleyit, die als Nebenprodukte bei der Gewinnung von Titanmineralien anfallen. In der Natur ist Hafnium stets an Zirkoniumverbindungen gebunden und schwer abzutrennen.
     
    Aufgrund der starken chemischen Ähnlichkeit von Hafnium und Zirkonium ist die Trennung der beiden Elemente voneinander sehr aufwändig und teuer. Die bevorzugten Methoden zur Trennung von Hafnium und Zirkonium sind Ionenaustausch- und Lösungsmittelextraktionstechniken.
    Für manche Zwecke ist die Trennung der beiden Elemente allerdings nicht erforderlich.
     
    Die wichtigsten Abbauländer für hafniumhaltige Zirkoniumminerale sind Australien und Südafrika, wo sie aus Mineralsanden und Flusskies gewonnen werden. Die mit Abstand größten Reserven befinden sich in Australien.
     
    Das australische Bergbauunternehmen Iluka Resources ist der weltgrößter Produzent von Zirkoniumerzen, gefolgt vom US-Unternehmen Tronox und dem britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto.
     
    Framatome, ein Tochterunternehmen des französischen Elektrizitätsunternehmens EDF dominiert den Markt für nukleartaugliches Hafnium. Allegheny Technologies Incorporated ist führender US-Hersteller von Hafnium für die Luftfahrt- und Nuklearindustrie und produziert etwa hochreines Hafnium für Turbinenschaufeln.
     
    China National Nuclear Corporation ist Chinas größter Produzent von Hafnium.
     
    Chepetsky Mechanical Plant, eine Tochter des staatlichen Konzerns Rosatom ist ein wichtiger russischer Hersteller, der Hafnium für die heimische Nuklear- und Rüstungsindustrie liefert.
     
    Im Jahr 2024 wird das weltweite Absatzvolumen von Hafnium (Hf) auf etwa 80 Tonnen geschätzt, allerdings kann die genaue Menge aufgrund von Geheimhaltung im Nuklear- und Militärbereich nicht mit Sicherheit beziffert werden.
     
    Entwicklungen in der Elektronikindustrie, verstärkte Investitionen im Rüstungsbereich und der Ausbau von Atomkraftwerken läßt die Nachfrage nach Hafnium wachsen.
  • Substitution

    In Legierungen kann Hafnium durch Magnesium, Kobalt, Chrom, Niob und Tantal ersetzt werden. In bestimmten Superlegierungen ist Hafnium mit Zirkonium austauschbar.
    In Steuerstäben von Kernkraftwerken können anstelle von Hafniummetall auch Bor- oder Cadmium-Silber-Indium-Legierungen verwendet werden.
     

ISE AG, Institut für seltene Erden und Metalle AG, Globale Metallpreise

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Tantalabbau und brutaler Konflikt im Ostkongo gehen Hand in Hand

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Seit über drei Jahrzehnten wütet in Zentralafrika ein Konflikt, der es seit dem Völkermord in Ruanda 1994 selten auf die Titelseiten schafft. Seit mehreren Monaten ist die Lage in der Demokratischen Republik Kongo sehr angespannt. UN-Beobachter fürchten, die Region steht am Rande eines regionalen Kriegs. Dabei hält jede und jeder, der im Alltag zu einem elektronischen Gerät greift, sehr wahrscheinlich ein Stück Kongo in der Hand, das die- und denjenigen mit dem Konflikt in Verbindung bringt.

Die Demokratischen Republik Kongo ist besonders reich gesegnet mit denjenigen Stoffe, ohne die unser technologischer Alltag zum Stillstand kommen würde. Das Land ist eines der weltweit wichtigsten Förderländer von Tantal, Zinn, Wolfram und Gold, auch bekannt als 3TG, den Konfliktmineralien, wie sie im US-amerikanischen Dodd-Frank-Act[i] und der EU-Konfliktmineralien-Verordnung[ii] definiert sind. Beide Gesetze sind eine Reaktion auf den über 30 Jahre währenden Konflikt in Zentralafrika. Die EU-Verordnung verpflichtet Unternehmen, die diese Mineralien einführen, seit 2021 Sorgfaltspflichten in ihren Lieferketten zu erfüllen. In den USA bereits seit 2010.

Weltgrößte vernachlässigte Flüchtlingskrise

Besonders der Ostkongo wird von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den über 100 verschiedenen bewaffneten Gruppen heimgesucht. Zivilisten sind Opfer von Massakern und extremer sexueller Gewalt[iii] — die Zahl der Vertriebenen allein im Nordosten des Landes beträgt 5,5 Millionen Menschen.[iv] Es ist die größte vernachlässigte Flüchtlingskrise in der Welt.[v] In den östlichen Provinzen Nord- und Südkivu, die an Uganda, Burundi und Ruanda grenzen, konzentrieren sich auch die Coltanvorkommen, dem Erz, aus dem Tantal gewonnen wird.[vi]

Tantal kommt auf der Erde sehr selten vor und wird wegen seiner extrem stabilen sowie hitzebeständigen Eigenschaften geschätzt. Die Anwendung Nummer eins für Tantal ist die Elektronikindustrie. In kleinen Mengen findet es sich in Kondensatoren, kleinen elektrischen Bauelementen, mit denen elektrische Ladung gespeichert wird – etwa auf Leiterplatten, die in keinem elektronischen Gerät fehlen. Geschätzt 60 Prozent der weltweiten Tantalproduktion geht in die Elektronikindustrie.

Für Computerchips, der zweitwichtigsten Anwendung, ist Tantal unverzichtbar. Vor dem Hintergrund des Technologiekriegs mit China verschärften die USA im Oktober 2023 ihre Ausfuhrvorschriften für Halbleiterfertigungsprodukte. Auch in Kampfjets kommt Tantal vor, wo es dank seiner Hitzbeständigkeit als Legierung in Triebwerken verwendet wird und so die Kraftstoffeffizienz steigert. In Smartphones findet sich Tantal außerdem in RF-Filter in den Antennen.

Wachsende Tantalnachfrage

Marktbeobachter rechnen zudem mit einer zunehmenden Nachfrage nach Tantal, insbesondere als Legierung sowie auch im Zuge der 5G-Technologie. Aber auch für Elektroauto-Batterien könnte Tantal als Anodenbeschichtung an Bedeutung gewinnen.[vii] Wegen seiner sehr guten Biokompabilität ist Tantal auch für medizinische Anwendungen wie Implantate von hohem Interesse.[viii]

2023 produzierte die Demokratische Republik Kongo etwa 980 Tonnen, die zum größten Teil in Nord- und Südkivu gefördert werden.[ix] Ausgerechnet dort hat die Regierung in Kinshasa vor Monaten komplett die Kontrolle über weite Gebiete verloren und macht Paul Kagame, Ruandas Präsidenten, dafür verantwortlich. Er soll die Bewegung 23. März – kurz M23 – unterstützen, einer größtenteils aus Tutsi bestehenden Gruppierung, die sich 2012 aus der kongolesischen Armee abgespalten hat. Ein UN-Expertenbericht[x] vom Dezember liefert schwerwiegende Indizien für den Vorwurf aus Kinshasa. Demnach unterstützt Ruandas Regierung die M23 nicht nur mit Waffen und Material, sondern auch mit Soldaten der regulären ruandischen Armee.

Die Demokratische Republik Kongo ist führendes Förderland für Tantal und hielt 2023 einen Weltmarktanteil von etwa 35 Prozent. Anderen Angaben zufolge soll Ruanda seinem flächenmäßig 90 Mal größeren Nachbarn bei der Tantalförderung 2023 den Rang abgelaufen haben.[xi]

Ruanda: Vorwurf der Plünderung

Die Regierung in Kinshasa wirft Ruanda seit Jahren vor, die Bodenschätze im Osten der Demokratischen Republik Kongo mit Hilfe der Rebellengruppe M23 zu plündern und in die Nachbarländer Uganda und Ruanda zu schmuggeln, während die internationale Gemeinschaft wegsehe. Laut Finanzminister Nicolas Kazadi gehen der Demokratischen Republik Kongo durch Plünderungen jährlich fast eine Milliarde US-Dollar verloren.[xii]Da Ruanda nur wenige Lagerstätten habe, sei offensichtlich, dass alles aus der Demokratischen Republik Kongo stammt, sagte Kazadi gegenüber der Financial Times.[xiii]

In Ruandas Hauptstadt Kigali leugnet man all dies. Die USA und Frankreich haben Ruanda im UN-Sicherheitsrat dazu aufgerufen, sich aus dem Kongo zurückzuziehen sowie die Unterstützung von M23 zu beenden.[xiv] Aber auch die Regierung in Kinshasa wurde aufgerufen, die Zusammenarbeit ihrer Streitkräfte im Kampf gegen M23 mit bewaffneten Gruppen, die ebenfalls grausame Verbrechen an Zivilisten verüben, zu beenden. Es gibt außerdem auch Hinweise, dass die verfeindeten Gruppen beim Rohstoffschmuggel zusammenarbeiten.[xv]

Kongos Präsident Tshisekedi kämpft um internationale Aufmerksamkeit für die Situation in seinem Land und beauftragte vergangenen Herbst ein internationales Anwaltsteam medienwirksam damit, eine Klage gegen Apple zu prüfen. Der US-Konzern steht im Verdacht aus dem Kongo geschmuggelte Rohstoffe in seinen Geräten zu verwenden.[xvi] Auf ein Schreiben, das die Anwälte Ende April an Apple-CEO Tim Cook adressierten, reagierte der Konzern bislang nicht, was die Anwälte als Beweis dafür werten, dass ihre Fragen das Unternehmen in Verlegenheit bringen, exakte Antworten zu geben.[xvii]

Zusammenbruch der Überprüfbarkeit verantwortungsvoller Beschaffung

Aus Apples Pflichtberichten geht hervor, dass es keinen Grund zur Annahme gebe, dass die Raffinerien, von denen der Konzern Zinn, Wolfram und Tantalum bezieht, direkt oder indirekt bewaffnete Gruppen in der Demokratischen Republik Kongo oder ihren Nachbarländern finanzieren. Dabei warnen die UN-Experten, dass konkret die Erze aus den Coltan-Minen rund um die Kleinstadt Rubaya in der Provinz Nord-Kivu mit Hilfe von Etiketten des ITSCI-Systems der International Tin Association zur Rückverfolgbarkeit von Mineralien in Umlauf gebracht werden. Laut dem UN-Bericht würden die in Rubaya abgebauten Erze auch nach Ruanda geschmuggelt.

Das ITSCI-Programm hat am 30. April seine Aktivitäten in Nordkivu aufgehoben, nachdem M23-Rebellen die Kontrolle in dem Gebiet übernommen haben.[xviii] Die ITSCI-Etiketten sollen einerseits den Abbau in instabilen Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo ermöglichen und andererseits garantieren, dass der Abbau keine bewaffneten Gruppen finanziert, Menschenrechte verletzt, Kinderarbeit oder Korruption fördert. Jeder Sack mit abgebauten Erzen soll mit dem ITSCI-System bis zur Mine zurückverfolgt werden können.

Das System der Rückverfolgbarkeit funktioniert laut Beobachtern allerdings nicht gut. Der Abbau findet in entlegenen und schwer kontrollierbaren Gebieten im Kleinbergbau statt. Die Bergleute arbeiten mit rudimentären Mitteln, oft ohne Lizenzen. Das so abgebaute Coltan wird nachts in legale Minen gebracht, heißt es in einem von der EU geförderten Bericht 2022.[xix] Offizielle Etiketten seien auch auf dem Schwarzmarkt erhältlich. „Benutzer können sich über die Herkunft der Tantalelemente in ihren elektronischen Geräten nicht sicher sein,“ heißt es im Bericht weiter.

Aus der Industrie selbst gibt es Kritik am ITSCI, da Daten ersten mit einjähriger Verspätung und Gewichtsangaben zu abgebauten Erzen gebündelt für die ganze Region, statt nach Ländern veröffentlicht werden. Damit ist nicht prüfbar, ob Ruandas Produktion tatsächlich aus eigenen Minen stammt oder, ob die Schmuggelvorwürfe zutreffen.[xx]

 

Tantalum Chart 2011 bis heute – Quelle: Screenshot WWW.ISE-AG.COM

Blutiger Konflikt und Tantalabbau schließen einander nicht aus

Mit negativen Auswirkungen auf die Versorgung der Weltmärkte oder den Tantalpreis ist mit dem Aufflammen des Konflikts seit Ende 2021 jedenfalls eher nicht zu rechnen. Aus der Geschichte könnte man sogar das Gegenteil ablesen: der Konflikt im Ostkongo dauert mit wenigen Unterbrechung schon durchgehend seit 1994 an. Die Tantalproduktion nimmt dort ab der Jahrtausendwende jedoch an Fahrt auf. Dies fällt mit dem Aufstieg von Silicon Valley, dem Boom der Elektronikindustrie und den Handys zusammen.

Gleichzeitig fällt Australien zu diesem Zeitpunkt als bisher wichtigster Tantalproduzent weg, wo das Metall als Beiprodukt des Lithiumabbaus gewonnen wurde. Das führte zu einer kurzzeitigen Versechsfachung des Preises, der in einen Förderboom im Kleinbergbau im Ostkongo mündete und die tragende Rolle Zentralafrikas bei der globalen Versorgung mit Tantal einleitete.[xxi] Allein der Handel mit und Abbau von Coltan beschäftigte 2009 rund 300.000 Menschen in der Demokratischen Republik Kongo. Weitere bedeutende Produktionsländer sind Brasilien, Nigeria und China, wobei Australien und Brasilien 60 Prozent der vorhandenen Tantal-Vorkommen für sich beanspruchen.[xxii]

EU unterstützt Ruanda mit Waffen und Geld

Wie kommt es, dass trotz der Sorgfaltspflichtverpflichtung westlicher Unternehmen nach wie vor Konfliktmineralien ihren Weg in alltägliche Verbrauchsgüter finden? Ein Grund ist, dass etwa in der EU nur Einführer der Roherze dazu verpflichtet sind, also Raffinerien und Verhütter. Bei Firmen, die Zwischen- und Endprodukte verarbeiten oder herstellen, die diese Metalle beinhalten, greift die Verordnung nur indirekt.

Ein anderes Problem ist aus afrikanischer Sicht die finanzielle Unterstützung Ruandas durch westliche Länder. Zwar wird Ruanda von diesen aufgefordert, sich aus dem Kongo zurückzuziehen. Gleichzeitig erhält das kleine Land Waffen und Geld aus dem Westen. So hat etwa Polen 2022 Waffen im Wert von fast fünf Millionen an Ruanda verkauft. Im Gegenzug exportierte Ruanda vor allem Wolfram und Zinn nach Polen.[xxiii]

Aktuell plant die EU außerdem Ruanda mit 40 Millionen Euro zu unterstützen. Das Geld soll für nichttödliche Militärausrüstung und Lufttransporte für ruandische Soldaten verwendet werden, die seit 2021 in der mosambikanischen Provinz Cabo Delgado im Einsatz sind. Es geht dort um die Niederschlagung des mosambikischen Ablegers des Islamischen Staats, der die Aktivitäten des französischen Erdölkonzern Total Energie behindert. Total plant in dem Gebiet ein 20-Milliarden-Euro schweres Flüssiggasprojekt, das seit Jahren verzögert wird.[xxiv] Bereits 2022 erhielt Ruanda für diesen militärischen Einsatz 20 Millionen Euro aus der EU-Friedensfazilität.[xxv]

ISE AG – August 2024 – Arndt Uhlendorff 

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