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ISE AG, Institut für seltene Erden und Metalle AG, Globale Metallpreise

Seit über drei Jahrzehnten wütet in Zentralafrika ein Konflikt, der es seit dem Völkermord in Ruanda 1994 selten auf die Titelseiten schafft. Seit mehreren Monaten ist die Lage in der Demokratischen Republik Kongo sehr angespannt. UN-Beobachter fürchten, die Region steht am Rande eines regionalen Kriegs. Dabei hält jede und jeder, der im Alltag zu einem elektronischen Gerät greift, sehr wahrscheinlich ein Stück Kongo in der Hand, das die- und denjenigen mit dem Konflikt in Verbindung bringt.
Die Demokratischen Republik Kongo ist besonders reich gesegnet mit denjenigen Stoffe, ohne die unser technologischer Alltag zum Stillstand kommen würde. Das Land ist eines der weltweit wichtigsten Förderländer von Tantal, Zinn, Wolfram und Gold, auch bekannt als 3TG, den Konfliktmineralien, wie sie im US-amerikanischen Dodd-Frank-Act[i] und der EU-Konfliktmineralien-Verordnung[ii] definiert sind. Beide Gesetze sind eine Reaktion auf den über 30 Jahre währenden Konflikt in Zentralafrika. Die EU-Verordnung verpflichtet Unternehmen, die diese Mineralien einführen, seit 2021 Sorgfaltspflichten in ihren Lieferketten zu erfüllen. In den USA bereits seit 2010.
Weltgrößte vernachlässigte Flüchtlingskrise
Besonders der Ostkongo wird von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den über 100 verschiedenen bewaffneten Gruppen heimgesucht. Zivilisten sind Opfer von Massakern und extremer sexueller Gewalt[iii] — die Zahl der Vertriebenen allein im Nordosten des Landes beträgt 5,5 Millionen Menschen.[iv] Es ist die größte vernachlässigte Flüchtlingskrise in der Welt.[v] In den östlichen Provinzen Nord- und Südkivu, die an Uganda, Burundi und Ruanda grenzen, konzentrieren sich auch die Coltanvorkommen, dem Erz, aus dem Tantal gewonnen wird.[vi]
Tantal kommt auf der Erde sehr selten vor und wird wegen seiner extrem stabilen sowie hitzebeständigen Eigenschaften geschätzt. Die Anwendung Nummer eins für Tantal ist die Elektronikindustrie. In kleinen Mengen findet es sich in Kondensatoren, kleinen elektrischen Bauelementen, mit denen elektrische Ladung gespeichert wird – etwa auf Leiterplatten, die in keinem elektronischen Gerät fehlen. Geschätzt 60 Prozent der weltweiten Tantalproduktion geht in die Elektronikindustrie.
Für Computerchips, der zweitwichtigsten Anwendung, ist Tantal unverzichtbar. Vor dem Hintergrund des Technologiekriegs mit China verschärften die USA im Oktober 2023 ihre Ausfuhrvorschriften für Halbleiterfertigungsprodukte. Auch in Kampfjets kommt Tantal vor, wo es dank seiner Hitzbeständigkeit als Legierung in Triebwerken verwendet wird und so die Kraftstoffeffizienz steigert. In Smartphones findet sich Tantal außerdem in RF-Filter in den Antennen.
Wachsende Tantalnachfrage
Marktbeobachter rechnen zudem mit einer zunehmenden Nachfrage nach Tantal, insbesondere als Legierung sowie auch im Zuge der 5G-Technologie. Aber auch für Elektroauto-Batterien könnte Tantal als Anodenbeschichtung an Bedeutung gewinnen.[vii] Wegen seiner sehr guten Biokompabilität ist Tantal auch für medizinische Anwendungen wie Implantate von hohem Interesse.[viii]
2023 produzierte die Demokratische Republik Kongo etwa 980 Tonnen, die zum größten Teil in Nord- und Südkivu gefördert werden.[ix] Ausgerechnet dort hat die Regierung in Kinshasa vor Monaten komplett die Kontrolle über weite Gebiete verloren und macht Paul Kagame, Ruandas Präsidenten, dafür verantwortlich. Er soll die Bewegung 23. März – kurz M23 – unterstützen, einer größtenteils aus Tutsi bestehenden Gruppierung, die sich 2012 aus der kongolesischen Armee abgespalten hat. Ein UN-Expertenbericht[x] vom Dezember liefert schwerwiegende Indizien für den Vorwurf aus Kinshasa. Demnach unterstützt Ruandas Regierung die M23 nicht nur mit Waffen und Material, sondern auch mit Soldaten der regulären ruandischen Armee.
Die Demokratische Republik Kongo ist führendes Förderland für Tantal und hielt 2023 einen Weltmarktanteil von etwa 35 Prozent. Anderen Angaben zufolge soll Ruanda seinem flächenmäßig 90 Mal größeren Nachbarn bei der Tantalförderung 2023 den Rang abgelaufen haben.[xi]
Ruanda: Vorwurf der Plünderung
Die Regierung in Kinshasa wirft Ruanda seit Jahren vor, die Bodenschätze im Osten der Demokratischen Republik Kongo mit Hilfe der Rebellengruppe M23 zu plündern und in die Nachbarländer Uganda und Ruanda zu schmuggeln, während die internationale Gemeinschaft wegsehe. Laut Finanzminister Nicolas Kazadi gehen der Demokratischen Republik Kongo durch Plünderungen jährlich fast eine Milliarde US-Dollar verloren.[xii]Da Ruanda nur wenige Lagerstätten habe, sei offensichtlich, dass alles aus der Demokratischen Republik Kongo stammt, sagte Kazadi gegenüber der Financial Times.[xiii]
In Ruandas Hauptstadt Kigali leugnet man all dies. Die USA und Frankreich haben Ruanda im UN-Sicherheitsrat dazu aufgerufen, sich aus dem Kongo zurückzuziehen sowie die Unterstützung von M23 zu beenden.[xiv] Aber auch die Regierung in Kinshasa wurde aufgerufen, die Zusammenarbeit ihrer Streitkräfte im Kampf gegen M23 mit bewaffneten Gruppen, die ebenfalls grausame Verbrechen an Zivilisten verüben, zu beenden. Es gibt außerdem auch Hinweise, dass die verfeindeten Gruppen beim Rohstoffschmuggel zusammenarbeiten.[xv]
Kongos Präsident Tshisekedi kämpft um internationale Aufmerksamkeit für die Situation in seinem Land und beauftragte vergangenen Herbst ein internationales Anwaltsteam medienwirksam damit, eine Klage gegen Apple zu prüfen. Der US-Konzern steht im Verdacht aus dem Kongo geschmuggelte Rohstoffe in seinen Geräten zu verwenden.[xvi] Auf ein Schreiben, das die Anwälte Ende April an Apple-CEO Tim Cook adressierten, reagierte der Konzern bislang nicht, was die Anwälte als Beweis dafür werten, dass ihre Fragen das Unternehmen in Verlegenheit bringen, exakte Antworten zu geben.[xvii]
Zusammenbruch der Überprüfbarkeit verantwortungsvoller Beschaffung
Aus Apples Pflichtberichten geht hervor, dass es keinen Grund zur Annahme gebe, dass die Raffinerien, von denen der Konzern Zinn, Wolfram und Tantalum bezieht, direkt oder indirekt bewaffnete Gruppen in der Demokratischen Republik Kongo oder ihren Nachbarländern finanzieren. Dabei warnen die UN-Experten, dass konkret die Erze aus den Coltan-Minen rund um die Kleinstadt Rubaya in der Provinz Nord-Kivu mit Hilfe von Etiketten des ITSCI-Systems der International Tin Association zur Rückverfolgbarkeit von Mineralien in Umlauf gebracht werden. Laut dem UN-Bericht würden die in Rubaya abgebauten Erze auch nach Ruanda geschmuggelt.
Das ITSCI-Programm hat am 30. April seine Aktivitäten in Nordkivu aufgehoben, nachdem M23-Rebellen die Kontrolle in dem Gebiet übernommen haben.[xviii] Die ITSCI-Etiketten sollen einerseits den Abbau in instabilen Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo ermöglichen und andererseits garantieren, dass der Abbau keine bewaffneten Gruppen finanziert, Menschenrechte verletzt, Kinderarbeit oder Korruption fördert. Jeder Sack mit abgebauten Erzen soll mit dem ITSCI-System bis zur Mine zurückverfolgt werden können.
Das System der Rückverfolgbarkeit funktioniert laut Beobachtern allerdings nicht gut. Der Abbau findet in entlegenen und schwer kontrollierbaren Gebieten im Kleinbergbau statt. Die Bergleute arbeiten mit rudimentären Mitteln, oft ohne Lizenzen. Das so abgebaute Coltan wird nachts in legale Minen gebracht, heißt es in einem von der EU geförderten Bericht 2022.[xix] Offizielle Etiketten seien auch auf dem Schwarzmarkt erhältlich. „Benutzer können sich über die Herkunft der Tantalelemente in ihren elektronischen Geräten nicht sicher sein,“ heißt es im Bericht weiter.
Aus der Industrie selbst gibt es Kritik am ITSCI, da Daten ersten mit einjähriger Verspätung und Gewichtsangaben zu abgebauten Erzen gebündelt für die ganze Region, statt nach Ländern veröffentlicht werden. Damit ist nicht prüfbar, ob Ruandas Produktion tatsächlich aus eigenen Minen stammt oder, ob die Schmuggelvorwürfe zutreffen.[xx]

Tantalum Chart 2011 bis heute – Quelle: Screenshot WWW.ISE-AG.COM
Blutiger Konflikt und Tantalabbau schließen einander nicht aus
Mit negativen Auswirkungen auf die Versorgung der Weltmärkte oder den Tantalpreis ist mit dem Aufflammen des Konflikts seit Ende 2021 jedenfalls eher nicht zu rechnen. Aus der Geschichte könnte man sogar das Gegenteil ablesen: der Konflikt im Ostkongo dauert mit wenigen Unterbrechung schon durchgehend seit 1994 an. Die Tantalproduktion nimmt dort ab der Jahrtausendwende jedoch an Fahrt auf. Dies fällt mit dem Aufstieg von Silicon Valley, dem Boom der Elektronikindustrie und den Handys zusammen.
Gleichzeitig fällt Australien zu diesem Zeitpunkt als bisher wichtigster Tantalproduzent weg, wo das Metall als Beiprodukt des Lithiumabbaus gewonnen wurde. Das führte zu einer kurzzeitigen Versechsfachung des Preises, der in einen Förderboom im Kleinbergbau im Ostkongo mündete und die tragende Rolle Zentralafrikas bei der globalen Versorgung mit Tantal einleitete.[xxi] Allein der Handel mit und Abbau von Coltan beschäftigte 2009 rund 300.000 Menschen in der Demokratischen Republik Kongo. Weitere bedeutende Produktionsländer sind Brasilien, Nigeria und China, wobei Australien und Brasilien 60 Prozent der vorhandenen Tantal-Vorkommen für sich beanspruchen.[xxii]
EU unterstützt Ruanda mit Waffen und Geld
Wie kommt es, dass trotz der Sorgfaltspflichtverpflichtung westlicher Unternehmen nach wie vor Konfliktmineralien ihren Weg in alltägliche Verbrauchsgüter finden? Ein Grund ist, dass etwa in der EU nur Einführer der Roherze dazu verpflichtet sind, also Raffinerien und Verhütter. Bei Firmen, die Zwischen- und Endprodukte verarbeiten oder herstellen, die diese Metalle beinhalten, greift die Verordnung nur indirekt.
Ein anderes Problem ist aus afrikanischer Sicht die finanzielle Unterstützung Ruandas durch westliche Länder. Zwar wird Ruanda von diesen aufgefordert, sich aus dem Kongo zurückzuziehen. Gleichzeitig erhält das kleine Land Waffen und Geld aus dem Westen. So hat etwa Polen 2022 Waffen im Wert von fast fünf Millionen an Ruanda verkauft. Im Gegenzug exportierte Ruanda vor allem Wolfram und Zinn nach Polen.[xxiii]
Aktuell plant die EU außerdem Ruanda mit 40 Millionen Euro zu unterstützen. Das Geld soll für nichttödliche Militärausrüstung und Lufttransporte für ruandische Soldaten verwendet werden, die seit 2021 in der mosambikanischen Provinz Cabo Delgado im Einsatz sind. Es geht dort um die Niederschlagung des mosambikischen Ablegers des Islamischen Staats, der die Aktivitäten des französischen Erdölkonzern Total Energie behindert. Total plant in dem Gebiet ein 20-Milliarden-Euro schweres Flüssiggasprojekt, das seit Jahren verzögert wird.[xxiv] Bereits 2022 erhielt Ruanda für diesen militärischen Einsatz 20 Millionen Euro aus der EU-Friedensfazilität.[xxv]
ISE AG – August 2024 – Arndt Uhlendorff
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Am 15. August 2024 kündigte das chinesische Handelsministerium an, dass die Ausfuhrkontrollen für Antimon ab dem 15. September in Kraft treten würden. Dies ist die jüngste in einer Reihe von Exportbeschränkungen durch China, das den weltweiten Abbau und die Verarbeitung von Seltenen Erden dominiert.
Antimon wird bei der Herstellung von Flammschutzmitteln, Blei-Säure-Batterien und als Legierung zur Verstärkung anderer Metalle verwendet. Darüber hinaus hat Antimon eine Reihe von militärischen Anwendungen, darunter Nachtsichtgeräte, panzerbrechende Munition und die Herstellung von Kernwaffen. Auf China entfielen im Jahr 2023 48 % der weltweiten Antimonproduktion.
Die Preise für Antimon erreichten bereits Ende Juli 2024 mit über 22'000 USD pro Tonne ein Allzeithoch, nachdem sie sich seit Jahresbeginn aufgrund der weltweiten Knappheit etwa verdoppelt hatten.
Die jüngste Ankündigung des chinesischen Handelsministeriums in Bezug auf Antimon hat auch in der globalen Lieferkette für Wolfram Erschütterungen ausgelöst. Wolfram ist für eine Reihe von militärischen Anwendungen unentbehrlich, extrem hart und hat den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle. China dominiert derzeit den Exportmarkt für Wolfram und produziert etwa 80 % des weltweiten Angebots, Einige Experten sagen voraus, dass China bis Ende des Jahres, wenn nicht schon früher, Ausfuhrkontrollen für Wolfram einführen wird.
Sowohl Antimon als auch Wolfram sind in der EU-Liste der kritischen Rohstoffe aufgeführt, wobei Wolfram als strategischer Rohstoff gilt.
Rückblick auf die Exportbeschränkungen im Jahr 2023
Vor etwas mehr als einem Jahr, am 1. August 2023, kündigte China Exportbeschränkungen für die Seltenen Erden Gallium (Ga) und Germanium (Ge) und hochwertigen Graphit (C) an, um „die nationale Sicherheit zu schützen“.
Zu den Anwendungsbereichen von Germanium und Gallium gehören Solarprodukte, Glasfaseroptik und Hochfrequenzchips für Mobiltelefone und Satelliten. Es sei daran erinnert, dass Pekings Exportkontrollen verhängt wurden, nachdem die USA beschlossen hatten, Chinas Zugang zu fortschrittlichen Halbleitern im Jahr 2023 zu beschränken.
USA erkennen Abhängigkeit von seltenen Erden als „nationalen Notfall“ an
Wie in einer früheren Ausgabe dieses Newsletters berichtet, reiste Mike Pompeo, Ex-CIA-Chef und Außenminister unter Präsident Donald Trump, im Juni 2023 nach Barcelona, um die Jahrestagung der Rare Earth Industry Association (REIA) zu eröffnen. Pompeo ist ein Sonderberater der USA Rare Earth (USARE). Im September 2020 rief Präsident Trump den nationalen Notstand wegen der „inakzeptablen Abhängigkeit der USA von kritischen Mineralien von ausländischen Gegnern“ aus – eine kaum verhüllte Anspielung auf China. Diese Politik wird von seinem Nachfolger, Präsident Joe Biden, fortgesetzt. Es wird das Risiko gesehen, dass China die Exporte kritischer Seltener Erden reduzieren oder einstellen könnte, wenn die Spannungen um die Krisenherde Taiwan oder das Südchinesische Meer zu einem offenen Konflikt eskalieren.
Antwort der EU: CRMA soll Auslandsabhängigkeit in einigen Bereichen verringern
Die Gefahr der Auslandsabhängigkeit wird auch in der EU erkannt. „Lithium und Seltene Erden werden bald wichtiger sein als Öl und Gas“, betonte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bei ihrer Rede zur Lage der Union im Jahr 2022. „Bis 2030 wird sich unser Bedarf an diesen Seltenerdmetallen verfünffachen“, sagte sie. „Infolgedessen erleben wir einen globalen Wettlauf um die Versorgung mit und das Recycling von kritischen Rohstoffen.“
Diesen starken Worten folgten Taten. Nach mehr als einem Jahrzehnt der Tatsachenfeststellung und Konsensbildung verabschiedete die EU den Critical Raw Materials Act (CRMA), der im Mai 2024 in Kraft trat.
Das CRMA schreibt vor, dass bis 2030 10 % des jährlichen EU-Verbrauchs im Inland abgebaut, 40 % im Inland verarbeitet und 25 % aller Verarbeitungsabfälle und des Altmaterials im Inland recycelt werden müssen. Der Rechtsakt sieht auch vor, dass die EU nicht mehr als 65 % eines strategischen Rohstoffs aus einem einzigen Land beziehen darf.
Fanfare über große Entdeckung von Seltenen Erden in Norwegen
Die langfristige Strategie der CRMA stützt sich auf vier Säulen, von denen die erste der Bergbau ist. In den Medien gab es in letzter Zeit viel Aufregung zu diesem Thema. Im Juni 2024 gab Rare Earths Norway die Entdeckung der bisher größten Lagerstätte für Seltene Erden in Europa bekannt. Die Lagerstätte, der so genannte Fen-Karbonatit-Komplex, liegt an der Südspitze Norwegens auf dem Gelände eines erloschenen Vulkans.
Enthält wichtige Rohstoffe für Elektrofahrzeuge und Windturbinen
Gemessen nach den Richtlinien des Joint Ore Reserves Committee Code 2012 verfügt die Lagerstätte Fen über geschätzte 559 metrische Tonnen mit 1,57 % Seltenerdoxiden (TREO). Dies entspricht 8,8 metrischen Tonnen TREO mit „vernünftigen Aussichten für einen wirtschaftlichen Abbau“. Darin enthalten sind auch geschätzte 1,5 Tonnen magnetische Seltene Erden, die in Elektrofahrzeugen und Windturbinen verwendet werden.
Auch für die Lagerstätte Fen besteht weiteres Aufwärtspotenzial. Die aktuellen Schätzungen für die Seltenen Erden basieren auf Bohrungen in einer Tiefe von 468 Metern unter dem mittleren Meeresspiegel. Anerkannte geologische Quellen in Norwegen weisen darauf hin, dass die Lagerstätten bis zu 1'000 Meter unter dem Meeresspiegel reichen könnten.
Während das Ausmaß der Entdeckung bedeutsam ist, lautet die Schlüsselfrage, wie bald der Abbau in industriellem Maßstab beginnen kann und wie lange es dauern wird, bis ein signifikanter Beitrag zur Deckung des europäischen Bedarfs an seltenen Erden und Metallen geleistet werden kann.
Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte das Nicht-EU-Mitglied Norwegen bis 2031 (nur)10 % des EU-Bedarfs an Seltenen Erden decken.
Umsetzungshürden für andere Aspekte des CRMA
Neben der Betonung des Bergbaus in der CRMA gibt es drei weitere strategische Säulen: Verarbeitung, Recycling und Diversifizierung des Angebots. Bei der Umsetzung all dieser Säulen gibt es Herausforderungen.
Verarbeitung – Hauptziel des CRMA sind Seltene Erden wie Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium, die für die Herstellung von Magneten benötigt werden, die in elektrischen Batterien und Windturbinen zum Einsatz kommen. Die Strategie hat jedoch ein großes Schlupfloch – die Einfuhr von in China hergestellten Fertigmagneten ist nicht betroffen.
Das Unternehmen Neo Performance Materials baut in Estland eine Fabrik für Dauermagnete, die in zwei bis drei Jahren 2'000 Tonnen pro Jahr produzieren soll – genug Magnete, um etwa 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge anzutreiben. Neo schätzt, dass seine Magnete etwa 20 bis 50 USD pro Fahrzeug mehr kosten würden als importierte Magnete aus China. Es ist nicht sofort klar, ob die Hersteller bereit sind, diese Mehrkosten zu tragen.
Recycling – Nach Angaben von Adamas Intelligence wurden im Jahr 2023 in Europa fast 21'000 Tonnen Dauermagnete in Mobiltelefonen, Festplattenlaufwerken, Traktionsmotoren für Elektrofahrzeuge, Windkraftgeneratoren, MRT-Geräten und Hunderten von anderen Anwendungen entsorgt. Von dieser Menge wird derzeit weniger als 1 % pro Jahr recycelt. Es liegt also noch ein langer Weg vor uns, bis das Recycling dazu beiträgt, die Abhängigkeit vom Ausland von Seltenen Erden zu verringern.
Diversifizierung des Angebots – Die entscheidende Frage ist, wie schnell alternative Angebote gefunden werden können. Die Diversifizierung erfordert eine sorgfältige Prüfung. Die Demokratische Republik Kongo zum Beispiel, die 70 % des weltweiten Kobaltangebots exportiert, ist ein instabiles Land, das die Versorgung gefährden könnte. Darüber hinaus besitzt China 70 % der Minen in der Demokratischen Republik Kongo.
Braucht die CRMA eine agilere fünfte Säule? Wie oben beschrieben, gibt es erhebliche Hindernisse für die Umsetzung der ersten vier Säulen des CRMA. Ein weiteres Problem ist der Zeitrahmen – 2030 ist noch mehr als fünf Jahre entfernt. Die jüngste Entscheidung Chinas, die Ausfuhr des Seltenerdmetalls Antimon innerhalb weniger Wochen zu stoppen, und die Vorhersage weiterer Beschränkungen in der Zukunft unterstreichen die Notwendigkeit, sich viel schneller an die Entwicklungen außerhalb der EU anzupassen.

Zu diesem Zweck ist es vielleicht an der Zeit, über eine fünfte Säule des CRMA nachzudenken. Diese würde zwei Schlüsselelemente umfassen: Erstens, ein Beratungsgremium für EU-Entscheidungsträger, das sich aus Experten aus Wirtschaft, Forschungsinstituten und Regierung zusammensetzt. Dieses Gremium würde sowohl rasante Entwicklungen als auch längerfristige Trends beobachten und konkrete Empfehlungen aussprechen. Zweitens, die Schaffung und Pflege einer strategischen EU-Reserve an Seltenen Erden. Dazu könnten gezielte Marktinterventionen für kritische Rohstoffe gehören, die sich zum Teil auf die Empfehlungen des Beirats stützen.
Es liegt auf der Hand, dass die Schaffung und Finanzierung einer solchen Säule zur Ergänzung der bestehenden Strategie der CRMA viel Arbeit erfordern würde. Der Autor hofft, dass dieser Artikel weitere Diskussionen und Fortschritte zu diesem wichtigen Thema anregen kann.
Schlussfolgerung: Zeit für ein verstärktes Bewusstsein für die Dringlichkeit
Das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe ist ein wichtiger Schritt nach vorne, um Europa vor einer gefährlichen Abhängigkeit von anderen Nationen bei Rohstoffen zu schützen. Wie oben dargelegt, gibt es jedoch Herausforderungen bei der Umsetzung der CRMA. Der Zeitrahmen bis 2030 wird auch durch die zunehmende Geschwindigkeit und den Umfang der Exportbeschränkungen aus China in Frage gestellt. Kurzum, passen wir uns schnell genug an das sich verändernde äußere Umfeld an, um die technologische und industrielle Zukunft Europas zu sichern?
ISE AG – August 2024
Chinesische Rohstoffe, einfuhr beschränkungen, Allzeithoch Antimonpreise, Antimon-Exportkontrollen, Blei-Säure-Batterien, China und Seltene Erden, CRMA (Critical Raw Materials Act), Diversifizierung des Rohstoffangebots, EU-Abhängigkeit von Rohstoffen, EU-Liste kritischer Rohstoffe, Flammschutzmittel, Geopolitische Spannungen, Marktinterventionen in der EU, militärische Anwendungen, Recycling von Dauermagneten, Seltene Erden, Seltene Erden in Norwegen, US-Notstand kritische Mineralien, Verarbeitungsindustrie, ISE AG, Institut für seltene Erden und Metalle AG, Wolfram Lieferkette