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Seltene Erden

Die EU und Elektromobilität: Ein nicht zu Ende gedachtes Drama

**Image protected by ISE AG – Lucerne**

Europas Unentschlossenheit bei der Elektromobilität bringt der Autoindustrie keinen Wettbewerbsvorteil. Entscheidend ist der Zugang zu Rohstoffen, an denen auch die Energiewende hängt. Die Kontrolle über sie liegt nach wie vor in weiter Ferne: in China.

Globaler Vorreiter bei der Elektromobilität ist ausgerechnet ein Land, das vom Öl- und Gasgeschäft lebt: Norwegen. Doch das ist nicht die einzige Kuriosität in Sachen Autopolitik. 2023 beschloss die EU de facto das Aus für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035, um nach nur 19 Monaten einen Salto rückwärts zu springen. Auf Druck der Autoindustriegemeinsam mit Deutschland, Italien und den osteuropäischen Mitgliedsländern.

Das ist insofern kurios, weil das Festhalten am Verbrennungsmotor bei Herstellern zu höheren Kosten führt, wenn Verbrenner- und Elektro-Plattformen parallel betrieben werden müssen.Nach einem Wettbewerbsvorteil gegenüber chinesischen Mitbewerbern klingt das nicht. Die politische Kehrtwende ist außerdem das Gegenteil einer für Industrie und Investoren so wichtigen klaren Politik, die für Planungssicherheit sorgt. Für die Autoindustrie, die in langen Zyklen von bis zu 15 Jahren plant, gilt das ganz besonders. 

Es stellt sich aber noch eine ganz andere, grundsätzliche Frage: ist ein hundertprozentiger Umstieg auf Elektromobilität überhaupt möglich? Theoretisch ja, laut Künstlicher Intelligenz. Doch in der Praxis fällt die Antwort derzeit eher negativ aus, betrachtet man die Versorgung mit den dafür notwendigen Rohstoffen und mit sauberem Strom.

Zahnlose Rohstoffpolitik der EU

Anfang Februar veröffentlichte der Europäische Rechnungshof einen Bericht, in dem er die EU-Rohstoffpolitik unter die Lupe nahm. 2023 verabschiedete die EU ein Gesetz über kritische Rohstoffe, in dem allerlei Massnahmen festgelegt sind, mit dem Ziel, die übergroße Abhängigkeit von China und wenigen anderen Ländern bei Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Nickel oder Seltenen Erden zu überwinden. Zahn- und planlos lautete das vernichtende Urteil der Rechnungshofprüfer über Europas Rohstoffstrategie.

Die Weltbank prognostiziert, dass sich durch die grüne Wende der Bedarf an Rohstoffen bis 2050 verfünffachen wird. Ausgehend von 2020 rechnet die EU-Kommission, dass der Bedarf etwa an Lithium bis 2030 um das 18-Fache und der von Kobalt um das Fünffache ansteigen wird. Drei Viertel des Rohstoffbedarfs wird von den EU-Ländern jedoch importiert. 

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Hohe Verluste wegen Mangel an Seltenen Erden  

Trotzdem haben es die Regierungen versäumt, ihre vollmundigen Ankündigungen bei den Klimazielen auch materiell abzusichern. Wenn China will, dann würgt es einfach die europäische Industrie ab. Und es will, wie die Exportbeschränkungen auf Seltene Erden(Permanentmagneten), Galliumund Germanium (Computerchips) in den vergangenen zwei Jahren gezeigt haben. 

Thomas Krümmer, Experte für Seltene Erden und Autor des „Rare Earths Observer“ schätzt die direkten und indirekten wirtschaftlichen Einbußen durch Chinas Restriktionen bei Seltenen Erden auf mindestens zehn Prozent der globalen Wirtschaftskraft. All das ist eigentlich schon seit 2010 bekannt, als China zum ersten Mal die Daumenschrauben anzog und die erste Seltenerdkrise auslöste — was übrigens zur Gründung des Instituts für Seltene Erden geführt hat. 

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Bis zu 240 Terrawattstunden mehr Strom nötig

Und wie sieht es bei der Versorgung mit sauberen Strom aus? 2024 waren 260 Millionen Autos auf den Straßen in der EU unterwegs. Davon sind nur drei Prozent rein elektrisch betrieben, was acht Millionen entspricht. Sie verbrauchen rund 16 Terawattstunden (TWh) Strom im Jahr. Der gesamte Stromverbrauch der EU-27 lag bei 2732 TWh. Etwa 1000 TWh oder 40 Prozent des Stroms kamen dabei aus erneuerbaren Energiequellen.

Eine Studie des Fraunhofer ISI und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sagen bis 2040 einen Anstieg des Anteils von E-Autos auf 30 Prozent voraus, was einem zusätzlichen Strombedarf von ungefähr 240 TWh entsprechen würde. Um diesen zusätzlichen Strom mit sauberen Energien zu erzeugen, müssen etwa 120 bis 160 Gigawatt (GW) an neuer Wind- und Solarkapazität installiert werden.

Allerdings wird nicht nur der Verkehr elektrifiziert, sondern auch energieintensive Industrien, Heizsysteme für Wohnraum (Wärmepumpen) und nicht zuletzt sorgen Datenzentren für eine massive Erhöhung des Strombedarfs, der sich also insgesamt um 30 bis 50 Prozent erhöhen könnte. Das wären dann bereits 800 bis 1350 TWh mehr als heute. Um diesen zusätzlichen Strombedarf mit Erneuerbaren zu decken, müssten in den kommenden 15 Jahren 470 bis 790 GW an erneuerbaren Stromkapazitäten installiert werden.

Nadelöhr Netzausbau

2025 wurden in der EU laut ersten Schätzungen 85 GW an neuen Wind- und Solarkapazität zugebaut. Setzt sich der Ausbau in diesem Rhythmus fort, könnte die EU ihre Ziele realistisch erreichen. 

Aber Solarpaneele und Windräder sind nicht die einzige Bedingung für die grüne Energiewende. Der Ausbau der Netzinfrastruktur, von Speicherkapazitäten und die Implementierung intelligenter Steuerungssysteme sind weitere wichtige Pfeiler, damit der erzeugte grüne Strom dort ankommt, wo er gebraucht wird und um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch der Ausbau grenzüberschreitender Kapazitäten spielt eine wichtige Rolle. Der massive Blackout in Spanien, Vorreiterland bei der erneuerbaren Stromerzeugung, veranschaulicht aber auch, welche schwerwiegenden Folgen ein schleppender Ausbau der heimischen und grenzüberschreitenden Netzinfrastruktur haben kann.

Mehr Rohstoffbedarf für Strominfrastruktur

Die benötigten Investitionen in die Stromnetze in der EU belaufen sich bis 2040 auf 1,1 Billionen Euro, was jährlich 74 Milliarden Euro entspricht. Das wiederum bedeutet ins Stoffliche übersetzt viele Tonnen Stahl und tausende Kilometer an Kupferkabeln. Für den massiven Ausbau mit Windrädern und Solarpanelen sind massive Mengen an kritischen Rohstoffen wie Seltene Erden, Silizium, Indium oder Selennötig und für Batteriespeicher Lithium, Graphit, Kobaltund Nickel.

Hier schließt sich wieder der Kreis und wir landen beim Thema Rohstoffabhängigkeit der EU und  dem vernichtenden Rechnungshofurteil: „Keine solide Strategie“. Es bleibt also offen, wie die EU neben der Verkehrswende auch die Energiewende schaffen will, wenn sie die dafür benötigten Rohstoffe nicht sichern kann. Vielleicht steht hinter dem Schlingerkurs beim Verbrenner-Aus, die leise Vermutung der Politik, dass die EU den Abstand im Wettlauf um kritische Mineralien wohl nicht mehr aufholen wird können.

Februar 2026 – Arndt Uhlendorff für 

Februar 2026 – Arndt Uhlendorff für 

Institut für seltene Erden und Metalle AG

Institut für seltene Erden und Metalle AG

Kritische/Strategische Metalle

Kritische und strategische Metalle

„Lithium und Seltene Erden werden bald wichtiger sein, als Öl und Gas“
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Die Abwendung von fossilen Brennstoffen hin zu CO2-neutralen Technologien, die fortschreitende Digitalisierung und der Durchbruch von Künstlicher Intelligenz haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Lithium, Nickel und Kobalt sowie Seltenen Erden geführt. Diese Metalle mit teils exotisch klingenden Namen wie Gallium, Tantal oder Ytterbium sind unverzichtbar in Spitzentechnologien für Halbleiter, Drohnen und Batterien.

Größter Hersteller der meisten dieser Metalle ist mit Abstand China — sei es beim Bergbau oder in der Raffination. Ähnlich wie die OPEC-Staaten bei Erdöl hat die Volksrepublik den Markt in der Hand. Das gilt ganz besonders für Seltene Erden. Da China sein Monopol als Verhandlungsmasse, aber auch als Waffe gegen die Konkurrenz einsetzt, bemühen sich westliche Industrieländer ihre Abhängigkeit von China zu reduzieren.

2023 hat China strenge Exportquoten auf Gallium und Germanium eingeführt. Zwei Elemente mit einer Schlüsselrolle bei Halbleitern. Diese Taktik ist nicht neu. Schon 2010 kam es nach dem sogenannten Senkaku-Vorfall zu einer Versorgungskrise bei Seltenen Erden, mit extremen Preissteigerungen, weil China seine Exporte plötzlich gedrosselt hat. Wenige Jahre später schwemmte das Reich der Mitte dann den Weltmarkt mit Seltenen Erden zu Dumpingpreisen, mit denen westliche Mitbewerber nicht mithalten konnten.

Die USA, die EU, Japan, Kanada, aber auch China und Russland führen nun periodisch aktualisierte Listen über strategische und kritische Rohstoffe. Es handelt sich um Metalle, die für die Wirtschaft des jeweiligen Landes wichtig sind, die knapp sind oder knapp werden könnten und bei denen die Versorgungssicherheit hohen Risiken ausgesetzt ist.

Mit gezielten Rohstoffstrategien wie dem Critical Raw Materials Act der EU-Kommission oder dem Critical Minerals Action Plan der USA versuchen Regierungen das Problem in den Griff bekommen.

Neue chinesische Ausfuhrbeschränkungen für Seltene Erden unterstreichen die Notwendigkeit einer flexibleren EU-Politik

Am 15. August 2024 kündigte das chinesische Handelsministerium an, dass die Ausfuhrkontrollen für Antimon ab dem 15. September in Kraft treten würden. Dies ist die jüngste in einer Reihe von Exportbeschränkungen durch China, das den weltweiten Abbau und die Verarbeitung von Seltenen Erden dominiert.

Antimon wird bei der Herstellung von Flammschutzmitteln, Blei-Säure-Batterien und als Legierung zur Verstärkung anderer Metalle verwendet. Darüber hinaus hat Antimon eine Reihe von militärischen Anwendungen, darunter Nachtsichtgeräte, panzerbrechende Munition und die Herstellung von Kernwaffen. Auf China entfielen im Jahr 2023 48 % der weltweiten Antimonproduktion.

Die Preise für Antimon erreichten bereits Ende Juli 2024 mit über 22'000 USD pro Tonne  ein Allzeithoch, nachdem sie sich seit Jahresbeginn aufgrund der weltweiten Knappheit etwa verdoppelt hatten.


Die jüngste Ankündigung des chinesischen Handelsministeriums in Bezug auf Antimon hat auch in der globalen Lieferkette für Wolfram Erschütterungen ausgelöst. Wolfram ist für eine Reihe von militärischen Anwendungen unentbehrlich, extrem hart und hat den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle. China dominiert derzeit den Exportmarkt für Wolfram und produziert etwa 80 % des weltweiten Angebots, Einige Experten sagen voraus, dass China bis Ende des Jahres, wenn nicht schon früher, Ausfuhrkontrollen für Wolfram einführen wird.

Sowohl Antimon als auch Wolfram sind in der EU-Liste der kritischen Rohstoffe aufgeführt, wobei Wolfram als strategischer Rohstoff gilt.

Rückblick auf die Exportbeschränkungen im Jahr 2023 
Vor etwas mehr als einem Jahr, am 1. August 2023, kündigte China Exportbeschränkungen für die Seltenen Erden Gallium (Ga) und Germanium (Ge) und hochwertigen Graphit (C) an, um „die nationale Sicherheit zu schützen“.

Zu den Anwendungsbereichen von Germanium und Gallium gehören Solarprodukte, Glasfaseroptik und Hochfrequenzchips für Mobiltelefone und Satelliten. Es sei daran erinnert, dass Pekings Exportkontrollen verhängt wurden, nachdem die USA beschlossen hatten, Chinas Zugang zu fortschrittlichen Halbleitern im Jahr 2023 zu beschränken.

USA erkennen Abhängigkeit von seltenen Erden als „nationalen Notfall“ an
Wie in einer früheren Ausgabe dieses Newsletters berichtet, reiste Mike Pompeo, Ex-CIA-Chef und Außenminister unter Präsident Donald Trump, im Juni 2023 nach Barcelona, um die Jahrestagung der Rare Earth Industry Association (REIA) zu eröffnen. Pompeo ist ein Sonderberater der USA Rare Earth (USARE). Im September 2020 rief Präsident Trump den nationalen Notstand wegen der „inakzeptablen Abhängigkeit der USA von kritischen Mineralien von ausländischen Gegnern“ aus – eine kaum verhüllte Anspielung auf China. Diese Politik wird von seinem Nachfolger, Präsident Joe Biden, fortgesetzt. Es wird das Risiko gesehen, dass China die Exporte kritischer Seltener Erden reduzieren oder einstellen könnte, wenn die Spannungen um die Krisenherde Taiwan oder das Südchinesische Meer zu einem offenen Konflikt eskalieren.

Antwort der EU: CRMA soll Auslandsabhängigkeit in einigen Bereichen verringern
Die Gefahr der Auslandsabhängigkeit wird auch in der EU erkannt. „Lithium und Seltene Erden werden bald wichtiger sein als Öl und Gas“, betonte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bei ihrer Rede zur Lage der Union im Jahr 2022. „Bis 2030 wird sich unser Bedarf an diesen Seltenerdmetallen verfünffachen“, sagte sie. „Infolgedessen erleben wir einen globalen Wettlauf um die Versorgung mit und das Recycling von kritischen Rohstoffen.“

Diesen starken Worten folgten Taten. Nach mehr als einem Jahrzehnt der Tatsachenfeststellung und Konsensbildung verabschiedete die EU den Critical Raw Materials Act (CRMA), der im Mai 2024 in Kraft trat. 

Das CRMA schreibt vor, dass bis 2030 10 % des jährlichen EU-Verbrauchs im Inland abgebaut, 40 % im Inland verarbeitet und 25 % aller Verarbeitungsabfälle und des Altmaterials im Inland recycelt werden müssen. Der Rechtsakt sieht auch vor, dass die EU nicht mehr als 65 % eines strategischen Rohstoffs aus einem einzigen Land beziehen darf.

Fanfare über große Entdeckung von Seltenen Erden in Norwegen
Die langfristige Strategie der CRMA stützt sich auf vier Säulen, von denen die erste der Bergbau ist. In den Medien gab es in letzter Zeit viel Aufregung zu diesem Thema. Im Juni 2024 gab Rare Earths Norway die Entdeckung der bisher größten Lagerstätte für Seltene Erden in Europa bekannt. Die Lagerstätte, der so genannte Fen-Karbonatit-Komplex, liegt an der Südspitze Norwegens auf dem Gelände eines erloschenen Vulkans.

Enthält wichtige Rohstoffe für Elektrofahrzeuge und Windturbinen
Gemessen nach den Richtlinien des Joint Ore Reserves Committee Code 2012 verfügt die Lagerstätte Fen über geschätzte 559 metrische Tonnen mit 1,57 % Seltenerdoxiden (TREO). Dies entspricht 8,8 metrischen Tonnen TREO mit „vernünftigen Aussichten für einen wirtschaftlichen Abbau“. Darin enthalten sind auch geschätzte 1,5 Tonnen magnetische Seltene Erden, die in Elektrofahrzeugen und Windturbinen verwendet werden.

Auch für die Lagerstätte Fen besteht weiteres Aufwärtspotenzial. Die aktuellen Schätzungen für die Seltenen Erden basieren auf Bohrungen in einer Tiefe von 468 Metern unter dem mittleren Meeresspiegel. Anerkannte geologische Quellen in Norwegen weisen darauf hin, dass die Lagerstätten bis zu 1'000 Meter unter dem Meeresspiegel reichen könnten.

Während das Ausmaß der Entdeckung bedeutsam ist, lautet die Schlüsselfrage, wie bald der Abbau in industriellem Maßstab beginnen kann und wie lange es dauern wird, bis ein signifikanter Beitrag zur Deckung des europäischen Bedarfs an seltenen Erden und Metallen geleistet werden kann.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte das Nicht-EU-Mitglied Norwegen bis 2031 (nur)10 % des EU-Bedarfs an Seltenen Erden decken.

Umsetzungshürden für andere Aspekte des CRMA
Neben der Betonung des Bergbaus in der CRMA gibt es drei weitere strategische Säulen: Verarbeitung, Recycling und Diversifizierung des Angebots. Bei der Umsetzung all dieser Säulen gibt es Herausforderungen.

Verarbeitung – Hauptziel des CRMA sind Seltene Erden wie Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium, die für die Herstellung von Magneten benötigt werden, die in elektrischen Batterien und Windturbinen zum Einsatz kommen. Die Strategie hat jedoch ein großes Schlupfloch – die Einfuhr von in China hergestellten Fertigmagneten ist nicht betroffen.

Das Unternehmen Neo Performance Materials baut in Estland eine Fabrik für Dauermagnete, die in zwei bis drei Jahren 2'000 Tonnen pro Jahr produzieren soll – genug Magnete, um etwa 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge anzutreiben. Neo schätzt, dass seine Magnete etwa 20 bis 50 USD pro Fahrzeug mehr kosten würden als importierte Magnete aus China. Es ist nicht sofort klar, ob die Hersteller bereit sind, diese Mehrkosten zu tragen.

Recycling – Nach Angaben von Adamas Intelligence wurden im Jahr 2023 in Europa fast 21'000 Tonnen Dauermagnete in Mobiltelefonen, Festplattenlaufwerken, Traktionsmotoren für Elektrofahrzeuge, Windkraftgeneratoren, MRT-Geräten und Hunderten von anderen Anwendungen entsorgt. Von dieser Menge wird derzeit weniger als 1 % pro Jahr recycelt. Es liegt also noch ein langer Weg vor uns, bis das Recycling dazu beiträgt, die Abhängigkeit vom Ausland von Seltenen Erden zu verringern.

Diversifizierung des Angebots – Die entscheidende Frage ist, wie schnell alternative Angebote gefunden werden können. Die Diversifizierung erfordert eine sorgfältige Prüfung. Die Demokratische Republik Kongo zum Beispiel, die 70 % des weltweiten Kobaltangebots exportiert, ist ein instabiles Land, das die Versorgung gefährden könnte. Darüber hinaus besitzt China 70 % der Minen in der Demokratischen Republik Kongo.

Braucht die CRMA eine agilere fünfte Säule? Wie oben beschrieben, gibt es erhebliche Hindernisse für die Umsetzung der ersten vier Säulen des CRMA. Ein weiteres Problem ist der Zeitrahmen – 2030 ist noch mehr als fünf Jahre entfernt. Die jüngste Entscheidung Chinas, die Ausfuhr des Seltenerdmetalls Antimon innerhalb weniger Wochen zu stoppen, und die Vorhersage weiterer Beschränkungen in der Zukunft unterstreichen die Notwendigkeit, sich viel schneller an die Entwicklungen außerhalb der EU anzupassen. 

 

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Zu diesem Zweck ist es vielleicht an der Zeit, über eine fünfte Säule des CRMA nachzudenken. Diese würde zwei Schlüsselelemente umfassen: Erstens, ein Beratungsgremium für EU-Entscheidungsträger, das sich aus Experten aus Wirtschaft, Forschungsinstituten und Regierung zusammensetzt. Dieses Gremium würde sowohl rasante Entwicklungen als auch längerfristige Trends beobachten und konkrete Empfehlungen aussprechen. Zweitens, die Schaffung und Pflege einer strategischen EU-Reserve an Seltenen Erden. Dazu könnten gezielte Marktinterventionen für kritische Rohstoffe gehören, die sich zum Teil auf die Empfehlungen des Beirats stützen.

Es liegt auf der Hand, dass die Schaffung und Finanzierung einer solchen Säule zur Ergänzung der bestehenden Strategie der CRMA viel Arbeit erfordern würde. Der Autor hofft, dass dieser Artikel weitere Diskussionen und Fortschritte zu diesem wichtigen Thema anregen kann.

Schlussfolgerung: Zeit für ein verstärktes Bewusstsein für die Dringlichkeit
Das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe ist ein wichtiger Schritt nach vorne, um Europa vor einer gefährlichen Abhängigkeit von anderen Nationen bei Rohstoffen zu schützen. Wie oben dargelegt, gibt es jedoch Herausforderungen bei der Umsetzung der CRMA. Der Zeitrahmen bis 2030 wird auch durch die zunehmende Geschwindigkeit und den Umfang der Exportbeschränkungen aus China in Frage gestellt. Kurzum, passen wir uns schnell genug an das sich verändernde äußere Umfeld an, um die technologische und industrielle Zukunft Europas zu sichern?

ISE AG – August 2024

New Chinese export restrictions on rare earths underscore the need for a more flexible EU policy

On August 15, 2024, China’s Ministry of Commerce announced that export controls on antimony would take effect on September 15. This is the latest in a series of export restrictions by China, which dominates global mining and processing of rare earth elements.

Antimony is used in the production of flame retardants, lead-acid batteries, and as an alloy to strengthen other metals. It also has a range of military applications, including night vision devices, armor-piercing ammunition, and nuclear weapons production. China accounted for 48% of global antimony production in 2023.

Prices for antimony had already reached an all-time high of over USD 22,000 per tonne at the end of July 2024, having roughly doubled since the start of the year due to global shortages.

Concerns about tungsten supply

The recent announcement by China’s Ministry of Commerce regarding antimony has also sent shockwaves through the global tungsten supply chain. Tungsten is indispensable for a range of military applications, is extremely hard, and has the highest melting point of all metals. China currently dominates the export market for tungsten, producing about 80% of global supply. Some experts predict that China may introduce export controls on tungsten by the end of the year, if not sooner.

Both antimony and tungsten are included in the EU’s list of critical raw materials, with tungsten classified as a strategic raw material.

Background: China’s export restrictions in 2023

Just over a year earlier, on August 1, 2023, China announced export restrictions on the rare earth elements gallium (Ga) and germanium (Ge), and on high-grade graphite (C), citing “national security” reasons.

Germanium and gallium are used in solar products, fiber optics, and high-frequency chips for mobile phones and satellites. It should be recalled that Beijing imposed these export controls after the United States decided in 2023 to restrict China’s access to advanced semiconductors.

U.S. recognizes dependence on rare earths as a “national emergency”

As reported in a previous edition of this newsletter, former CIA Director and Secretary of State under President Donald Trump, Mike Pompeo, traveled to Barcelona in June 2023 to open the annual meeting of the Rare Earth Industry Association (REIA). Pompeo serves as a special adviser to USA Rare Earth (USARE). In September 2020, President Trump declared a national emergency over the “unacceptable dependence of the United States on critical minerals from foreign adversaries” — a thinly veiled reference to China. His successor, President Joe Biden, has continued this policy. There is concern that China could reduce or halt exports of critical rare earths if tensions over Taiwan or the South China Sea escalate into open conflict.

EU response: CRMA aims to reduce foreign dependence

The EU has also recognized the dangers of foreign dependence. “Lithium and rare earths will soon be more important than oil and gas,” emphasized European Commission President Ursula von der Leyen in her 2022 State of the Union address. “By 2030, our demand for these rare earth metals will increase fivefold,” she said. “As a result, we are witnessing a global race for the supply and recycling of critical raw materials.”

Strong words were followed by action. After more than a decade of study and consensus-building, the EU adopted the Critical Raw Materials Act (CRMA), which entered into force in May 2024.

The CRMA stipulates that by 2030, 10% of the EU’s annual consumption must be mined domestically, 40% processed domestically, and 25% of processing waste and end-of-life materials recycled domestically. The law also states that the EU must not source more than 65% of any strategic raw material from a single country.

Excitement over major rare earth discovery in Norway

The long-term CRMA strategy rests on four pillars, the first of which is mining. There has been a lot of media excitement about this recently. In June 2024, Rare Earths Norway announced the discovery of the largest known rare earth deposit in Europe. The deposit, known as the Fen Carbonatite Complex, is located at the southern tip of Norway on the site of an extinct volcano.

Contains key materials for electric vehicles and wind turbines

According to the 2012 Joint Ore Reserves Committee (JORC) Code, the Fen deposit is estimated to contain 559 metric tonnes with 1.57% total rare earth oxides (TREO) — equivalent to 8.8 metric tonnes of TREO with “reasonable prospects for economic extraction.” It also includes an estimated 1.5 tonnes of magnetic rare earths, which are used in electric vehicles and wind turbines.

There is also further upside potential. Current estimates for the rare earths are based on drilling down to 468 meters below mean sea level, while Norwegian geological sources suggest the deposits may extend to 1,000 meters below sea level.

While the scale of the discovery is significant, the key question remains how soon industrial-scale mining can begin and how long it will take before the deposit makes a meaningful contribution to Europe’s demand for rare earths and metals.

According to a Reuters report, non-EU member Norway could supply only about 10% of the EU’s rare earth demand by 2031.

Implementation challenges for other aspects of the CRMA

Besides mining, the CRMA has three other strategic pillars: processingrecycling, and supply diversification. There are challenges in implementing all of them.

Processing

The CRMA primarily targets rare earths such as neodymium, praseodymium, dysprosium, and terbium, which are used to produce magnets for electric batteries and wind turbines. However, there is a major loophole — imports of finished magnets made in China are not covered.

The company Neo Performance Materials is building a permanent magnet factory in Estonia that, within two to three years, is expected to produce 2,000 tonnes per year — enough magnets for about 1.5 million electric vehicles. Neo estimates its magnets would cost USD 20–50 more per vehicle than imported Chinese magnets. It remains unclear whether manufacturers are willing to bear these additional costs.

Recycling

According to Adamas Intelligence, in 2023 nearly 21,000 tonnes of permanent magnets were discarded in Europe — found in mobile phones, hard drives, electric vehicle traction motors, wind turbines, MRI machines, and hundreds of other applications. Currently, less than 1% of this amount is recycled annually. There is therefore still a long way to go before recycling meaningfully reduces foreign dependence on rare earths.

Supply diversification

The key question is how quickly alternative sources can be developed. Diversification requires careful consideration. For example, the Democratic Republic of the Congo, which exports 70% of the world’s cobalt supply, is politically unstable and poses a supply risk. Moreover, China owns 70% of the mines in the DRC.

Does the CRMA need a more agile fifth pillar?

As described above, there are significant obstacles to implementing the CRMA’s four main pillars. Another problem is timing — 2030 is still more than five years away. China’s recent decision to halt exports of the rare metal antimony within a matter of weeks — and predictions of further restrictions ahead — highlight the need for Europe to adapt much more rapidly to developments outside the EU.

 

 


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For this purpose, it may be time to consider a fifth pillar of the CRMA. This would include two key elements:

First, an advisory body for EU policymakers, composed of experts from industry, research institutions, and government. This body would monitor both rapid developments and longer-term trends and issue concrete recommendations.

Second, the creation and maintenance of a strategic EU reserve of rare earths. This could involve targeted market interventions for critical raw materials, partly based on the advisory board’s recommendations.

It is clear that establishing and financing such a pillar to complement the existing CRMA strategy would require substantial effort. The author hopes that this article can stimulate further discussion and progress on this important issue.

Conclusion: Time for greater awareness of urgency

The EU’s Critical Raw Materials Act represents an important step forward in protecting Europe from dangerous dependence on other nations for essential raw materials. However, as outlined above, there are challenges in implementing the CRMA. The 2030 timeline is also called into question by the increasing speed and scope of China’s export restrictions.

In short: Are we adapting quickly enough to the changing external environment to secure Europe’s technological and industrial future?

ISE AG – August 2024

US-Mineraldiplomatie: Washington sucht im Osten einen Ersatz für China

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Strategische Metalle sind das neue Öl des 21. Jahrhunderts. Anders als Öl fließen seltene Metalle jedoch nicht durch Pipelines – sie werden abgebaut, verarbeitet und durch Exportverbote geschützt.
Heute entwickelt sich der Kampf um diese Metalle zu einer neuen Form globaler Machtpolitik.

Die Vereinigten Staaten sind derzeit bei rund 80 % ihrer strategischen Metalle auf ausländische Lieferanten angewiesen. Von den fünfzig Elementen, die offiziell als für die nationale Industrie und Verteidigung kritisch eingestuft sind, werden dreißig vollständig importiert. Für ein Land, das technologische Führungsansprüche erhebt, klingt das fast paradox. 1

Warum also fördert und verarbeitet eine Supermacht mit eigenen Vorkommen ihre Rohstoffe nicht selbst? Die Antwort ist einfach: Es ist teuer, umweltschädlich und politisch riskant.

Seit den 1990er-Jahren ist die gesamte Infrastruktur zur Verarbeitung seltener und strategischer Metalle in den USA verschwunden. Vor drei Jahrzehnten waren amerikanische Unternehmen noch an der Trennung von Seltenerd-Konzentraten und der Herstellung von Magneten beteiligt. Doch der Markt wurde bald von Exporten aus China überflutet – dem unangefochtenen Führer bei den Reserven und der Verarbeitung seltener Metalle. 2

China belieferte die Welt bereitwillig mit strategischen Metallen zu niedrigen Preisen, und die Vereinigten Staaten, zufrieden mit dieser Lage, schlossen ihre eigenen umweltbelastenden Produktionsstätten – sie lagerten die „schmutzige Arbeit“ an Peking aus. Dieses Gleichgewicht hielt viele Jahre, bis der Aufstieg der digitalen Ära und grüner Technologien eine sprunghaft steigende Nachfrage nach Halbleitern und anderen Hightech-Materialien auslöste. Vor diesem Hintergrund erklärte Präsident Donald Trump am 30. September 2020 per Dekret die Abhängigkeit der USA von kritischen Mineralien aus feindlich gesinnten Staaten zur Bedrohung der nationalen Sicherheit. 3

Dysprosium Oxide

 Ein starker Anstieg der Nachfrage nach Dysprosium seit 2020 wurde durch die wachsende Produktion von Permanentmagneten für Windturbinen und Elektromotoren ausgelöst (Quelle: https://ise-metal-quotes.com/price-logged-in.php).

 

Der Konflikt erreichte im September 2025 seinen Höhepunkt, als China den Export von Seltenerdelementen vollständig untersagte – mit der schlichten Begründung: „Wir brauchen sie selbst.“ 4

Die Reaktion folgte umgehend. Präsident Donald Trump begab sich auf eine diplomatische Reise durch Asien und den Pazifik, um neue Allianzen entlang der Lieferkette kritischer Rohstoffe zu schmieden – von rohstoffreichen Staaten wie Malaysia und Vietnam bis zu Industrienationen wie Japan und Australien.

Sein Ziel: die strategische Präsenz der USA in Südostasien durch eine neue Form der Zusammenarbeit zu stärken, die Analysten bereits als „Mineraldiplomatie“ bezeichnen.

Um die Abhängigkeit von durch Peking kontrollierten Lieferketten zu verringern, umwirbt Washington potenzielle Partner mit Investitionszusagen, gemeinsamen Projekten und gesicherten Lieferverträgen.

Die laufende Reise hat bereits zur Unterzeichnung mehrerer Rahmenabkommen über Handel und kritische Mineralien mit Kambodscha, Thailand, Malaysia, Vietnam und Japan geführt.

In Kuala Lumpur, während des ASEAN-Gipfels, unterzeichneten die USA und Malaysia ein Abkommen zur Entwicklung von Lieferketten für mineralische Rohstoffe und Seltenerdelemente. Ähnliche Dokumente wurden mit Kambodscha und Thailand abgeschlossen. 5

Doch die Euphorie währte nicht lange: Bereits einen Tag später dementierte Malaysias Handelsminister Berichte, wonach Quoten und Verbote für den Export unverarbeiteter seltener Metalle in die USA aufgehoben worden seien. Was genau in den Memoranden steht und wie sie Washington helfen sollen, die chinesischen Exportbeschränkungen zu umgehen, bleibt unklar. 6

Viele Analysten befürchten, dass eine derart harte „Mineraldiplomatie“, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von China bis 2030 auf 25 % zu senken, nach hinten losgehen könnte. Denn südostasiatische Länder, für die China weiterhin der wichtigste Handelspartner ist, könnten den amerikanischen Druck als Eingriff in das regionale Gleichgewicht empfinden – und sich, entgegen Washingtons Absichten, noch stärker an Peking annähern. 7

Japan nahm auf der Reise eine Sonderstellung ein. Premierministerin Sanae Takaichi, die gerade ihr Amt angetreten hatte, schlug Trump ein „neues goldenes Zeitalter der Beziehungen“ vor. Der erste Schritt dahin war ein strategisches Rahmenabkommen über kritische Mineralien und Seltenerdelemente. 8

Auf den ersten Blick erscheint ein Bündnis mit Japan ungewöhnlich: Das Land selbst ist zu 80–90 % von chinesischen Lieferungen seltener Erden abhängig. Doch gerade deshalb hat das Abkommen symbolische und strategische Bedeutung – es schafft eine Art „Mini-Allianz für seltene Metalle“. 9

Das Dokument sieht die Schaffung eines gemeinsamen Investitionsfonds im Wert von bis zu 5 Milliarden US-Dollar vor, der der Erkundung und Entwicklung von Seltenerd- und Lithiumvorkommen in Drittländern wie Australien, Vietnam und Malaysia dienen soll. 10

Beide Seiten einigten sich zudem auf den Aufbau neuer Anlagen zur Trennung und Reinigung von Seltenerdelementen in Japan und den Vereinigten Staaten. Das Abkommen sieht die Aufhebung von Exportbeschränkungen zwischen den Ländern sowie eine enge Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung (F&E) vor – insbesondere in der Verarbeitung schwerer Seltenerdelemente und der Herstellung magnetischer Legierungen für Hightech-Industrien. 11 12

Ein gemeinsamer Investitionsplan und eine Lieferlandkarte sollen innerhalb von sechs Monaten verabschiedet werden. Die japanische JOGMEC (Japan Oil, Gas and Metals National Corporation) und die amerikanische Export-Import Bank wurden mit der Finanzierung der Projekte beauftragt, die den Bergbau in Australien, Malaysia und Vietnam unterstützen sollen. 13

Das Hauptziel besteht darin, die Abhängigkeit von chinesischen Konzentraten zu umgehen und alternative Logistikwege für die Versorgung mit kritischen Materialien aufzubauen.

Trumps Reihe von Abkommen löst das Problem zwar nicht sofort, schafft jedoch eine neue Architektur für den globalen Markt kritischer Mineralien. Wenn es den USA und ihren Partnern gelingt, alternative Lieferketten aufzubauen, könnte die Abhängigkeit von China tatsächlich verringert werden. Doch der Erfolg hängt davon ab, wie bereit Südostasien ist, amerikanische Führungsansprüche zu akzeptieren – ohne die eigenen wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking zu gefährden.