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Elektromobilität

Die EU und Elektromobilität: Ein nicht zu Ende gedachtes Drama

**Image protected by ISE AG – Lucerne**

Europas Unentschlossenheit bei der Elektromobilität bringt der Autoindustrie keinen Wettbewerbsvorteil. Entscheidend ist der Zugang zu Rohstoffen, an denen auch die Energiewende hängt. Die Kontrolle über sie liegt nach wie vor in weiter Ferne: in China.

Globaler Vorreiter bei der Elektromobilität ist ausgerechnet ein Land, das vom Öl- und Gasgeschäft lebt: Norwegen. Doch das ist nicht die einzige Kuriosität in Sachen Autopolitik. 2023 beschloss die EU de facto das Aus für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035, um nach nur 19 Monaten einen Salto rückwärts zu springen. Auf Druck der Autoindustriegemeinsam mit Deutschland, Italien und den osteuropäischen Mitgliedsländern.

Das ist insofern kurios, weil das Festhalten am Verbrennungsmotor bei Herstellern zu höheren Kosten führt, wenn Verbrenner- und Elektro-Plattformen parallel betrieben werden müssen.Nach einem Wettbewerbsvorteil gegenüber chinesischen Mitbewerbern klingt das nicht. Die politische Kehrtwende ist außerdem das Gegenteil einer für Industrie und Investoren so wichtigen klaren Politik, die für Planungssicherheit sorgt. Für die Autoindustrie, die in langen Zyklen von bis zu 15 Jahren plant, gilt das ganz besonders. 

Es stellt sich aber noch eine ganz andere, grundsätzliche Frage: ist ein hundertprozentiger Umstieg auf Elektromobilität überhaupt möglich? Theoretisch ja, laut Künstlicher Intelligenz. Doch in der Praxis fällt die Antwort derzeit eher negativ aus, betrachtet man die Versorgung mit den dafür notwendigen Rohstoffen und mit sauberem Strom.

Zahnlose Rohstoffpolitik der EU

Anfang Februar veröffentlichte der Europäische Rechnungshof einen Bericht, in dem er die EU-Rohstoffpolitik unter die Lupe nahm. 2023 verabschiedete die EU ein Gesetz über kritische Rohstoffe, in dem allerlei Massnahmen festgelegt sind, mit dem Ziel, die übergroße Abhängigkeit von China und wenigen anderen Ländern bei Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Nickel oder Seltenen Erden zu überwinden. Zahn- und planlos lautete das vernichtende Urteil der Rechnungshofprüfer über Europas Rohstoffstrategie.

Die Weltbank prognostiziert, dass sich durch die grüne Wende der Bedarf an Rohstoffen bis 2050 verfünffachen wird. Ausgehend von 2020 rechnet die EU-Kommission, dass der Bedarf etwa an Lithium bis 2030 um das 18-Fache und der von Kobalt um das Fünffache ansteigen wird. Drei Viertel des Rohstoffbedarfs wird von den EU-Ländern jedoch importiert. 

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Hohe Verluste wegen Mangel an Seltenen Erden  

Trotzdem haben es die Regierungen versäumt, ihre vollmundigen Ankündigungen bei den Klimazielen auch materiell abzusichern. Wenn China will, dann würgt es einfach die europäische Industrie ab. Und es will, wie die Exportbeschränkungen auf Seltene Erden(Permanentmagneten), Galliumund Germanium (Computerchips) in den vergangenen zwei Jahren gezeigt haben. 

Thomas Krümmer, Experte für Seltene Erden und Autor des „Rare Earths Observer“ schätzt die direkten und indirekten wirtschaftlichen Einbußen durch Chinas Restriktionen bei Seltenen Erden auf mindestens zehn Prozent der globalen Wirtschaftskraft. All das ist eigentlich schon seit 2010 bekannt, als China zum ersten Mal die Daumenschrauben anzog und die erste Seltenerdkrise auslöste — was übrigens zur Gründung des Instituts für Seltene Erden geführt hat. 

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Bis zu 240 Terrawattstunden mehr Strom nötig

Und wie sieht es bei der Versorgung mit sauberen Strom aus? 2024 waren 260 Millionen Autos auf den Straßen in der EU unterwegs. Davon sind nur drei Prozent rein elektrisch betrieben, was acht Millionen entspricht. Sie verbrauchen rund 16 Terawattstunden (TWh) Strom im Jahr. Der gesamte Stromverbrauch der EU-27 lag bei 2732 TWh. Etwa 1000 TWh oder 40 Prozent des Stroms kamen dabei aus erneuerbaren Energiequellen.

Eine Studie des Fraunhofer ISI und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sagen bis 2040 einen Anstieg des Anteils von E-Autos auf 30 Prozent voraus, was einem zusätzlichen Strombedarf von ungefähr 240 TWh entsprechen würde. Um diesen zusätzlichen Strom mit sauberen Energien zu erzeugen, müssen etwa 120 bis 160 Gigawatt (GW) an neuer Wind- und Solarkapazität installiert werden.

Allerdings wird nicht nur der Verkehr elektrifiziert, sondern auch energieintensive Industrien, Heizsysteme für Wohnraum (Wärmepumpen) und nicht zuletzt sorgen Datenzentren für eine massive Erhöhung des Strombedarfs, der sich also insgesamt um 30 bis 50 Prozent erhöhen könnte. Das wären dann bereits 800 bis 1350 TWh mehr als heute. Um diesen zusätzlichen Strombedarf mit Erneuerbaren zu decken, müssten in den kommenden 15 Jahren 470 bis 790 GW an erneuerbaren Stromkapazitäten installiert werden.

Nadelöhr Netzausbau

2025 wurden in der EU laut ersten Schätzungen 85 GW an neuen Wind- und Solarkapazität zugebaut. Setzt sich der Ausbau in diesem Rhythmus fort, könnte die EU ihre Ziele realistisch erreichen. 

Aber Solarpaneele und Windräder sind nicht die einzige Bedingung für die grüne Energiewende. Der Ausbau der Netzinfrastruktur, von Speicherkapazitäten und die Implementierung intelligenter Steuerungssysteme sind weitere wichtige Pfeiler, damit der erzeugte grüne Strom dort ankommt, wo er gebraucht wird und um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch der Ausbau grenzüberschreitender Kapazitäten spielt eine wichtige Rolle. Der massive Blackout in Spanien, Vorreiterland bei der erneuerbaren Stromerzeugung, veranschaulicht aber auch, welche schwerwiegenden Folgen ein schleppender Ausbau der heimischen und grenzüberschreitenden Netzinfrastruktur haben kann.

Mehr Rohstoffbedarf für Strominfrastruktur

Die benötigten Investitionen in die Stromnetze in der EU belaufen sich bis 2040 auf 1,1 Billionen Euro, was jährlich 74 Milliarden Euro entspricht. Das wiederum bedeutet ins Stoffliche übersetzt viele Tonnen Stahl und tausende Kilometer an Kupferkabeln. Für den massiven Ausbau mit Windrädern und Solarpanelen sind massive Mengen an kritischen Rohstoffen wie Seltene Erden, Silizium, Indium oder Selennötig und für Batteriespeicher Lithium, Graphit, Kobaltund Nickel.

Hier schließt sich wieder der Kreis und wir landen beim Thema Rohstoffabhängigkeit der EU und  dem vernichtenden Rechnungshofurteil: „Keine solide Strategie“. Es bleibt also offen, wie die EU neben der Verkehrswende auch die Energiewende schaffen will, wenn sie die dafür benötigten Rohstoffe nicht sichern kann. Vielleicht steht hinter dem Schlingerkurs beim Verbrenner-Aus, die leise Vermutung der Politik, dass die EU den Abstand im Wettlauf um kritische Mineralien wohl nicht mehr aufholen wird können.

Februar 2026 – Arndt Uhlendorff für 

Februar 2026 – Arndt Uhlendorff für 

Institut für seltene Erden und Metalle AG

Institut für seltene Erden und Metalle AG

Kritische/Strategische Metalle

Kritische und strategische Metalle

„Lithium und Seltene Erden werden bald wichtiger sein, als Öl und Gas“
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Die Abwendung von fossilen Brennstoffen hin zu CO2-neutralen Technologien, die fortschreitende Digitalisierung und der Durchbruch von Künstlicher Intelligenz haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Lithium, Nickel und Kobalt sowie Seltenen Erden geführt. Diese Metalle mit teils exotisch klingenden Namen wie Gallium, Tantal oder Ytterbium sind unverzichtbar in Spitzentechnologien für Halbleiter, Drohnen und Batterien.

Größter Hersteller der meisten dieser Metalle ist mit Abstand China — sei es beim Bergbau oder in der Raffination. Ähnlich wie die OPEC-Staaten bei Erdöl hat die Volksrepublik den Markt in der Hand. Das gilt ganz besonders für Seltene Erden. Da China sein Monopol als Verhandlungsmasse, aber auch als Waffe gegen die Konkurrenz einsetzt, bemühen sich westliche Industrieländer ihre Abhängigkeit von China zu reduzieren.

2023 hat China strenge Exportquoten auf Gallium und Germanium eingeführt. Zwei Elemente mit einer Schlüsselrolle bei Halbleitern. Diese Taktik ist nicht neu. Schon 2010 kam es nach dem sogenannten Senkaku-Vorfall zu einer Versorgungskrise bei Seltenen Erden, mit extremen Preissteigerungen, weil China seine Exporte plötzlich gedrosselt hat. Wenige Jahre später schwemmte das Reich der Mitte dann den Weltmarkt mit Seltenen Erden zu Dumpingpreisen, mit denen westliche Mitbewerber nicht mithalten konnten.

Die USA, die EU, Japan, Kanada, aber auch China und Russland führen nun periodisch aktualisierte Listen über strategische und kritische Rohstoffe. Es handelt sich um Metalle, die für die Wirtschaft des jeweiligen Landes wichtig sind, die knapp sind oder knapp werden könnten und bei denen die Versorgungssicherheit hohen Risiken ausgesetzt ist.

Mit gezielten Rohstoffstrategien wie dem Critical Raw Materials Act der EU-Kommission oder dem Critical Minerals Action Plan der USA versuchen Regierungen das Problem in den Griff bekommen.

US-Mineraldiplomatie: Washington sucht im Osten einen Ersatz für China

AdobeStock 1569334094

Strategische Metalle sind das neue Öl des 21. Jahrhunderts. Anders als Öl fließen seltene Metalle jedoch nicht durch Pipelines – sie werden abgebaut, verarbeitet und durch Exportverbote geschützt.
Heute entwickelt sich der Kampf um diese Metalle zu einer neuen Form globaler Machtpolitik.

Die Vereinigten Staaten sind derzeit bei rund 80 % ihrer strategischen Metalle auf ausländische Lieferanten angewiesen. Von den fünfzig Elementen, die offiziell als für die nationale Industrie und Verteidigung kritisch eingestuft sind, werden dreißig vollständig importiert. Für ein Land, das technologische Führungsansprüche erhebt, klingt das fast paradox. 1

Warum also fördert und verarbeitet eine Supermacht mit eigenen Vorkommen ihre Rohstoffe nicht selbst? Die Antwort ist einfach: Es ist teuer, umweltschädlich und politisch riskant.

Seit den 1990er-Jahren ist die gesamte Infrastruktur zur Verarbeitung seltener und strategischer Metalle in den USA verschwunden. Vor drei Jahrzehnten waren amerikanische Unternehmen noch an der Trennung von Seltenerd-Konzentraten und der Herstellung von Magneten beteiligt. Doch der Markt wurde bald von Exporten aus China überflutet – dem unangefochtenen Führer bei den Reserven und der Verarbeitung seltener Metalle. 2

China belieferte die Welt bereitwillig mit strategischen Metallen zu niedrigen Preisen, und die Vereinigten Staaten, zufrieden mit dieser Lage, schlossen ihre eigenen umweltbelastenden Produktionsstätten – sie lagerten die „schmutzige Arbeit“ an Peking aus. Dieses Gleichgewicht hielt viele Jahre, bis der Aufstieg der digitalen Ära und grüner Technologien eine sprunghaft steigende Nachfrage nach Halbleitern und anderen Hightech-Materialien auslöste. Vor diesem Hintergrund erklärte Präsident Donald Trump am 30. September 2020 per Dekret die Abhängigkeit der USA von kritischen Mineralien aus feindlich gesinnten Staaten zur Bedrohung der nationalen Sicherheit. 3

Dysprosium Oxide

 Ein starker Anstieg der Nachfrage nach Dysprosium seit 2020 wurde durch die wachsende Produktion von Permanentmagneten für Windturbinen und Elektromotoren ausgelöst (Quelle: https://ise-metal-quotes.com/price-logged-in.php).

 

Der Konflikt erreichte im September 2025 seinen Höhepunkt, als China den Export von Seltenerdelementen vollständig untersagte – mit der schlichten Begründung: „Wir brauchen sie selbst.“ 4

Die Reaktion folgte umgehend. Präsident Donald Trump begab sich auf eine diplomatische Reise durch Asien und den Pazifik, um neue Allianzen entlang der Lieferkette kritischer Rohstoffe zu schmieden – von rohstoffreichen Staaten wie Malaysia und Vietnam bis zu Industrienationen wie Japan und Australien.

Sein Ziel: die strategische Präsenz der USA in Südostasien durch eine neue Form der Zusammenarbeit zu stärken, die Analysten bereits als „Mineraldiplomatie“ bezeichnen.

Um die Abhängigkeit von durch Peking kontrollierten Lieferketten zu verringern, umwirbt Washington potenzielle Partner mit Investitionszusagen, gemeinsamen Projekten und gesicherten Lieferverträgen.

Die laufende Reise hat bereits zur Unterzeichnung mehrerer Rahmenabkommen über Handel und kritische Mineralien mit Kambodscha, Thailand, Malaysia, Vietnam und Japan geführt.

In Kuala Lumpur, während des ASEAN-Gipfels, unterzeichneten die USA und Malaysia ein Abkommen zur Entwicklung von Lieferketten für mineralische Rohstoffe und Seltenerdelemente. Ähnliche Dokumente wurden mit Kambodscha und Thailand abgeschlossen. 5

Doch die Euphorie währte nicht lange: Bereits einen Tag später dementierte Malaysias Handelsminister Berichte, wonach Quoten und Verbote für den Export unverarbeiteter seltener Metalle in die USA aufgehoben worden seien. Was genau in den Memoranden steht und wie sie Washington helfen sollen, die chinesischen Exportbeschränkungen zu umgehen, bleibt unklar. 6

Viele Analysten befürchten, dass eine derart harte „Mineraldiplomatie“, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von China bis 2030 auf 25 % zu senken, nach hinten losgehen könnte. Denn südostasiatische Länder, für die China weiterhin der wichtigste Handelspartner ist, könnten den amerikanischen Druck als Eingriff in das regionale Gleichgewicht empfinden – und sich, entgegen Washingtons Absichten, noch stärker an Peking annähern. 7

Japan nahm auf der Reise eine Sonderstellung ein. Premierministerin Sanae Takaichi, die gerade ihr Amt angetreten hatte, schlug Trump ein „neues goldenes Zeitalter der Beziehungen“ vor. Der erste Schritt dahin war ein strategisches Rahmenabkommen über kritische Mineralien und Seltenerdelemente. 8

Auf den ersten Blick erscheint ein Bündnis mit Japan ungewöhnlich: Das Land selbst ist zu 80–90 % von chinesischen Lieferungen seltener Erden abhängig. Doch gerade deshalb hat das Abkommen symbolische und strategische Bedeutung – es schafft eine Art „Mini-Allianz für seltene Metalle“. 9

Das Dokument sieht die Schaffung eines gemeinsamen Investitionsfonds im Wert von bis zu 5 Milliarden US-Dollar vor, der der Erkundung und Entwicklung von Seltenerd- und Lithiumvorkommen in Drittländern wie Australien, Vietnam und Malaysia dienen soll. 10

Beide Seiten einigten sich zudem auf den Aufbau neuer Anlagen zur Trennung und Reinigung von Seltenerdelementen in Japan und den Vereinigten Staaten. Das Abkommen sieht die Aufhebung von Exportbeschränkungen zwischen den Ländern sowie eine enge Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung (F&E) vor – insbesondere in der Verarbeitung schwerer Seltenerdelemente und der Herstellung magnetischer Legierungen für Hightech-Industrien. 11 12

Ein gemeinsamer Investitionsplan und eine Lieferlandkarte sollen innerhalb von sechs Monaten verabschiedet werden. Die japanische JOGMEC (Japan Oil, Gas and Metals National Corporation) und die amerikanische Export-Import Bank wurden mit der Finanzierung der Projekte beauftragt, die den Bergbau in Australien, Malaysia und Vietnam unterstützen sollen. 13

Das Hauptziel besteht darin, die Abhängigkeit von chinesischen Konzentraten zu umgehen und alternative Logistikwege für die Versorgung mit kritischen Materialien aufzubauen.

Trumps Reihe von Abkommen löst das Problem zwar nicht sofort, schafft jedoch eine neue Architektur für den globalen Markt kritischer Mineralien. Wenn es den USA und ihren Partnern gelingt, alternative Lieferketten aufzubauen, könnte die Abhängigkeit von China tatsächlich verringert werden. Doch der Erfolg hängt davon ab, wie bereit Südostasien ist, amerikanische Führungsansprüche zu akzeptieren – ohne die eigenen wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking zu gefährden.