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Allgemein

Europium

EU • Ordnungszahl 63

Europium

Europium ist ein silbrig-glänzendes Schwermetall und zählt damit auch zu den mittleren Seltenen Erden.

Seine mit Abstand wichtigste Eigenschaft ist die Fähigkeit, Licht in sehr spezifischen, reinen und intensiven Farben zu emittieren. Die wichtigste Anwendung von Europium ist daher die Herstellung von Phosphoren (Leuchtstoffen) für die Bildschirm- und Beleuchtungstechnologie.

Paul Emile Lecoq de Boisbaudran entdeckte 1890 in einem Samarium-Gadolinium-Konzentrat unbekannte Spektrallinien. Die Entdeckung von Europium wird Eugene Anatole Demarcay zuerkannt, der 1896 in dem gerade entdeckten Samarium ein weiteres Element vermutete. 1901 gelang ihm die Abtrennung des Europiums. Metallisches Europium wurde erst Jahre später hergestellt. 

  • Vorkommen

    Europium ist auf der Erde ein seltenes Element, die Häufigkeit in der kontinentalen Erdkruste beträgt etwa 2 ppm.

    Europium kommt als Nebenbestandteil in verschiedenen Lanthanoid-Mineralen vor. Das Element ist sowohl in Monazit und Bastnäsit als auch in Xenotim enthalten.

    In manchen magmatischen Gesteinen ist die Konzentration an Europium höher oder geringer, als nach dem mit Chondriten als Standard bestimmten relativen Häufigkeitsverhältnis der Seltenerdmetalle zu erwarten wäre. Dieses Phänomen wird als Europiumanomalie bezeichnet und beruht darauf, dass unter reduzierenden Bedingungen in Magma Eu3+ zu Eu2+ reduziert werden kann.
  • Gewinnung

    Nach dem Aufschluss der Ausgangsmaterialien wie Monazit oder Bastnäsit mit Schwefelsäure oder Natronlauge sind verschiedene Wege zur Abtrennung möglich.

    Neben dem Ionenaustausch wird vor allem ein Verfahren eingesetzt, das auf Flüssig-Flüssig-Extraktion und der Reduktion von Eu3+ zu Eu2+ beruht. Dabei wird bei Bastnäsit als Ausgangsmaterial zunächst das Cer in Form von Cer(IV)-oxid abgetrennt und die verbleibenden Seltenen Erden in Salzsäure gelöst. Daraufhin werden mit Hilfe einer Mischung von DEHPA (Di(2-ethylhexyl)phosphorsäure) und Kerosin in Flüssig-Flüssig-Extraktion Europium, Gadolinium und Samarium von den übrigen Seltenerdmetallen getrennt. Die Trennung dieser drei Elemente erfolgt über die Reduktion des Europiums zu Eu2+ und Fällung als schwerlösliches Europium(II)-sulfat, während die anderen Ionen in Lösung bleiben.

    Metallisches Europium kann durch Reaktion von Europium(III)-oxid mit Lanthan oder Mischmetall gewonnen werden. Wird diese Reaktion im Vakuum durchgeführt, destilliert Europium ab und kann so von anderen Metallen und Verunreinigungen getrennt werden.

  • Verwendung

    Die erste wichtige technische Anwendung des Elements war die Produktion von mit Europium dotiertem Yttriumvanadat. Dieser 1964 von Albert K. Levine und Frank C. Palilla entdeckte rote Leuchtstoff spielte bald eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Farbfernsehens. Für diese Anwendung wurde daraufhin das erste Bergwerk für die Gewinnung von Seltenen Erden, das seit 1954 im kalifornischen Mountain Pass betrieben wurde, stark ausgebaut.

    Europium wird auch weiterhin  als Dotierungsmittel für die Produktion von Leuchtstoffen eingesetzt, die für Flugzeuginstrumente benötigt werden und in Kompaktleuchtstofflampen Verwendung finden. Es werden Leuchtstoffe sowohl mit zwei- als auch dreiwertigem Europium für verschiedene Farben verwendet.

    Für rote Leuchtstoffe wird vor allem mit Europium dotiertes Yttriumoxid (Y2O3:Eu3+), früher wurden auch Yttriumoxysulfid oder als erster wichtiger roter Leuchtstoff Yttriumvanadat:Eu3+ genutzt. Eu2+ wird meist als blauer Leuchtstoff in Verbindungen wie Strontiumchlorophosphat (Sr5(PO4)3Cl:Eu2+, Strontiumchloroapatit SCAP) und Bariummagnesiumaluminat (BaMgAl11O17:Eu2+, BAM) eingesetzt.

    Plasmabildschirme erfordern Leuchtstoffe, die die vom Edelgas-Plasma emittierte VUV-Strahlung in sichtbares Licht umwandeln. Hierfür werden sowohl für das blaue als auch rote Spektrum europiumdotierte Leuchtstoffe genutzt – für blaues Licht BAM, für rotes (Y,Gd)BO3:Eu3+.

    In Quecksilberhochdrucklampen, die etwa in der Straßenbeleuchtung eingesetzt werden, wird europiumdotiertes Yttriumvanadat auf das Glas aufgebracht, damit das Licht weiß und natürlicher erscheint.

    Europium kann auf Grund seiner Neutronenabsorption in Steuerstäben für Kernreaktoren verwendet werden. Europiumhaltige Steuerstäbe wurden unter anderem in verschiedenen sowjetischen Versuchsreaktoren wie BOR-60 und BN-600 erprobt.

    Als EuropiumHexaBorid wird es auch als Beschichtung für die Herstellung von Oxidkathoden zur Glühemission angeboten.

    Bei Euro-Banknoten wird die Europium-Fluoreszenz gegen Fälschungen verwendet.

    Diese Eigenschaft kann auch in der Fluoreszenzspektroskopie ausgenutzt werden. Dazu wird das Europium beispielsweise in einem geeigneten Komplex gebunden, der an der gewünschten Stelle, etwa mit einem bestimmten Protein, bevorzugt reagiert und sich dort anreichert.

    Lösliche Europiumverbindungen sind leicht giftig;

     
    1. Europium(III)-dotiertes Yttriumoxidsulfid Y2O2S:Eu3+ bildet den roten Leuchtstoff (Luminophor) in Farbbildröhren.
    2. Europium(II)-dotiertes Bariumfluorobromid BaFBr:Eu2+ wird zur photostimulierten Lumineszenz (PSL) genutzt
    3. Mit Eu3+ dotierte Festkörper zeigen meist eine rote Lumineszenz, Eu2+ kann in Abhängigkeit vom Wirtsgitter im gesamten optischen Spektralbereich (UV bis rot) emittieren.
    4. Dotierelement in Leuchtstoffen für Lichtquellen wie zum Beispiel Hochdruckquecksilberlampen und Energiesparlampen.
    5. Dotiermaterial in Szintillationskristallen (als Aktivator).
    6. Organische Verbindungen als Shiftreagenz in der NMR-Spektroskopie.
    7. Europium-Tetracyclin-Komplexe in der Fluoreszenzspektroskopie zum Nachweis von Wasserstoffperoxid
    8. TRFIA = time-resolved fluoroimmunoassay. Eu3+-Ionen fluoreszieren in Wasser nur kurz. Deshalb verwendet man Chelatbildner, die um die Eu3+-Ionen herum eine hydrophobe Umgebung aufbauen. Das führt zu einer längeren Dauer der Fluoreszenz. Dadurch wird eine Unterscheidung von allen anderen, kurzlebigeren Fluoreszenzen möglich, die in organischen Gemischen vorkommen können.

  • Besonderheiten

    Als unedles Metall ist Europium eines der reaktivsten Metalle der seltenen Erden. An Luft läuft das silbrigglänzende Metall sofort an. Bei Temperaturen oberhalb von 150 °C entzündet es sich und verbrennt mit roter Flamme zum Sesquioxid Eu2O3. In Wasser reagiert es unter Wasserstoffentwicklung zum Hydroxid.

    Mit den Halogenen Fluor, Chlor, Brom und Iod reagiert Europium zu den Trihalogeniden. Bei der Reaktion mit Wasserstoff bilden sich nichtstöchiometrische Hydridphasen, wobei der Wasserstoff in die Lücken der Kugelpackung des Metalls eintritt.

    Europium löst sich in Wasser langsam, in Säuren schnell unter Bildung von Wasserstoff und des farblosen Eu3+-Ions. Das ebenfalls farblose Eu2+-Ion lässt sich durch elektrolytische Reduktion an Kathoden in wässriger Lösung gewinnen. Es ist das einzige zweiwertige Lanthanoid-Ion, das in wässriger Lösung stabil ist. Europium löst sich in Ammoniak, wobei sich wie bei Alkalimetallen eine blaue Lösung bildet, in der solvatisierte Elektronen vorliegen.

    Das Eu3+-Kation gehört neben u. a. Sm3+, Tb3+ und Dy3+ zu den Lanthanoid-Kationen, die in einem geeigneten Komplex bei Absorption bestimmter Wellenlängen Licht im sichtbaren Bereich emittieren kann. Das dreiwertige Europium-Kation ist in einer wässrigen Lösung farblos, werden aber organische Liganden mit einem ausgedehnten π-Elektronensystem koordiniert sorgt der Antenneneffekt dafür, dass die lumineszenten Eigenschaften des Zentralteilchens stark steigen. So leiten die π-Elektronen des Ligandens die absorbierte Energie des einfallenden Lichtes (ca. 355 nm) zu den 5d-Elektronen des Eu3+, wodurch diese in das 4f-Orbital gelangen und beim Zurückfallen Licht im sichtbaren Bereich (bei ca. 610 nm) emittieren.

    Es besitzt mit 5,245 g/cm3 eine ungewöhnlich niedrige Dichte, die deutlich niedriger als diejenige der benachbarten Lanthanoide wie Samarium oder Gadolinium und geringer als die des Lanthans ist.

    Vergleichbares gilt auch für den verhältnismäßig niedrigen Schmelzpunkt von 826 °C und den Siedepunkt von 1440 °C (Gadolinium: Schmelzpunkt 1312 °C, Siedepunkt 3000 °C). Diese Werte stehen der sonst geltenden Lanthanoidenkontraktion entgegen und werden durch die Elektronenkonfiguration des Europiums verursacht. Durch die halb gefüllte f-Schale stehen nur die zwei Valenzelektronen für metallische Bindungen zur Verfügung; es kommt daher zu geringeren Bindungskräften und zu einem deutlich größeren Metallatomradius. Vergleichbares ist auch bei Ytterbium zu beobachten.

    Europium kristallisiert unter Normalbedingungen in einem kubisch-raumzentrierten Gitter mit dem Gitterparameter a = 455 pm. Neben dieser Struktur sind noch zwei weitere Hochdruckmodifikationen bekannt. Dabei entspricht die Reihenfolge der Modifikationen bei steigendem Druck wie bei Ytterbium nicht derjenigen der übrigen Lanthanoide. So ist weder eine Europiummodifikation in doppelt-hexagonaler Struktur noch in Samarium-Struktur bekannt. Der erste Phasenübergang im Metall findet bei 12,5 GPa statt, oberhalb dieses Druckes kristallisiert Europium in einer hexagonal-dichtesten Struktur mit den Gitterparametern a = 241 pm und c = 545 pm. Oberhalb von 18 GPa wurde mit Eu-III eine weitere, der hexagonal-dichtesten Kugelpackung ähnliche Struktur gefunden.

    Bei hohen Drücken von mindestens 34 GPa ändert sich die Elektronenkonfiguration des Europiums im Metall von zwei- auf dreiwertig. Dies ermöglicht auch eine Supraleitfähigkeit des Elements, die bei einem Druck von etwa 80 GPa und einer Temperatur von etwa 1,8 K auftritt.

    Europiumionen, die in geeignete Wirtsgitter eingebaut sind, zeigen eine ausgeprägte Fluoreszenz. Dabei ist die abgestrahlte Wellenlänge von der Oxidationsstufe abhängig. Eu3+ fluoresziert weitgehend unabhängig vom Wirtsgitter zwischen 613 und 618 nm, was einer intensiv roten Farbe entspricht. Das Maximum der Emission von Eu2+ ist dagegen stärker vom Wirtsgitter abhängig und liegt beispielsweise bei Bariummagnesiumaluminat mit 447 nm im blauen, bei Strontiumaluminat (SrAl2O4:Eu2+) mit 520 nm im grünen Spektralbereich.

    Während 153Eu stabil ist, wurden  Hinweise gefunden, dass 151Eu ein Alphastrahler ist. Als untere Grenze für die Halbwertszeit werden 1,7 Trillionen Jahre angegeben. Europium und Europiumverbindungen sind als giftig anzusehen. Metallstäube sind feuer- und explosionsgefährlich.

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Erbium

Er • Ordnungszahl 68

Erbium

Erbium ist ein silberweiß glänzendes Metall das zu den schweren Seltenen Erden gehört. Es ist schmiedbar, aber auch ziemlich spröde.

Der Name leitet sich von der Grube Ytterby bei Stockholm ab.

Erbium wurde 1843 von Carl Gustav Mosander entdeckt. Allerdings handelte es sich bei dem vermeintlich reinen Oxid um eine Mischung der Oxide aus Erbium, Scandium, Holmium, Thulium und Ytterbium.

Um die spätere Aufklärung machten sich die Chemiker Marc Delafontaine und Per Teodor Cleve verdient. Reines Erbiumoxid stellten erstmals 1905 der französische Chemiker Georges Urbain und der amerikanische Chemiker Charles James her.
Erbium Oxide
  • Vorkommen

    Als schweres Seltenerdelement (HREE) ist Erbium häufiger in HREE-angereicherten Mineralien wie Xenotim und Euxenit enthalten. Darüber hinaus ist Erbium in Ionenadsorptionstonen (Tonlagerstätten) enthalten, die aufgrund ihrer relativ einfachen Verarbeitung trotz der geringen prozentualen Mengen an Seltenen Erden die wichtigste Quelle für HREEs sind. Die wichtigsten Quelle sind ionenadsorbierende Tonminerale (Tonlagerstätten) aus Südchina (Provinzen Jiangxi und Guangdong) und Myanmar.

  • Gewinnung

    Nach einer aufwändigen Abtrennung der anderen Erbiumbegleiter wird das Oxid mit Fluorwasserstoff zum Erbiumfluorid umgesetzt. Anschließend wird mit Calcium unter Bildung von Calciumfluorid zum metallischen Erbium reduziert. Abtrennung verbleibender Calciumreste und Verunreinigungen erfolgen in einer zusätzlichen Umschmelzung im Vakuum.

  • Verwendung

    Seine einzigartige Wechselwirkung mit Licht macht die meisten Anwendungen des Elements aus. Im Gegensatz zu Cer oder Lanthan sind seine Anwendungen jedoch spezialisierter, aber für moderne Technologien absolut entscheidend.

    In Glasfasernetzen dienen Erbium-dotierte Gläser als optische Verstärker. Diese Erbium-dotierten Faserverstärker (EDFAs - Erbium-Doped Fiber Amplifiers) sind das Rückgrat des globalen Internet. Sie ermöglichen den Transport von Daten über tausende von Kilometern unter Ozeanen hinweg, ohne dass das Signal zwischendurch elektrisch regeneriert werden muss.

    In der Medizin werden Erbium-Laser (Er:YAG-Laser: Erbium-dotiertes Yttrium-Aluminium-Granat) aufgrund ihrer präzisen und kontrollierten Wirkung in der Dermatologie und Dentaltechnik genutzt.

    Neben den medizinischen Lasern findet Erbium in anderen Hochpräzisionslasern Anwendung: Erbium-dotierte Kristalle (wie Er:YAG, Er:YSGG) werden in Lasern für das präzise Schneiden, Schweißen und Markieren in der Industrie eingesetzt.

    Erbiumoxid, das eine sehr schöne und charakteristische rosa bis pinke Farbe hat, wird als Farbstoff für Gläser, Schmuck und Sonnenbrillen verwendet.

    (Er₂O₃) hat eine sehr schöne und charakteristische rosa bis pinke Farbe.

    Neben seinen optischen Eigenschaften ist Erbium wegen seiner Fähigkeit, freie Neutronen leicht aufzunehmen, für die Kernkraft nützlich. Dies macht es für den Einsatz in Steuerstäben in Kernreaktoren geeignet.

    Darüber hinaus werden Erbiumlegierungen wegen ihrer hohen spezifischen Wärmekapazität in Kryokühlern für den Einsatz bei flüssigen Heliumtemperaturen verwendet.

    Fiberglassoptik durch Erbium

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Dysprosium

Dy • Ordnungszahl 66

Dysprosium

Dysprosium ist ein silbergraues bieg- und dehnbares Metall, das zu den schweren Seltenen Erden gehört.

Es ist sehr reaktionsfreudig. Zusammen mit Holmium besitzt Dysprosium das höchste magnetische Moment (10,6 μB) aller natürlich vorkommenden chemischen Elemente.

Die Entdeckung des Dysprosiums geht auf die Untersuchungen des Gadolinit (damals noch Ytterbit genannt) zurück. Dieses Mineral stammte aus der Grube Ytterby bei Stockholm (Schweden).

1879 entdeckten Per Theodor Cleve und Jacques-Louis Soret unabhängig voneinander bei spektroskopischen Untersuchungen, dass in Erbium noch weitere Elemente enthalten sein müssen. Diese wurden nach dem Vorschlag von Cleve Holmium und Thulium genannt.

Paul Émile Lecoq de Boisbaudran führte 1886 Fraktionierungsexperimente zum Holmium durch und fand heraus, dass es ein weiteres Element geben müsse. Da das bislang unbekannte Element experimentell kaum erreichbar war und es ihm nicht gelang, eine reine Fraktion herzustellen, nannte Lecoq de Boisbaudran es Dysprosium, das „Unzugängliche“.

Georges Urbain gelang 1906 erstmals die Gewinnung von reinem Dysprosiumoxid. 1936 isolierten Wilhelm Klemm und Heinrich Bommer erstmals metallisches Dysprosium. 1950 wurde von Frank Harold Spedding eine effektive Trennmöglichkeit von Dysprosium und Yttrium durch Ionenaustausch entwickelt.

  • Vorkommen

    Das Vorkommen von Dysprosium in der kontinentalen Erdkruste beträgt etwa 5,2 ppm. Es liegt damit in seiner Häufigkeit hinter den meisten leichten Seltenen Erden wie Cer, Neodym oder Samarium, aber vor den meisten schweren wie Erbium, Ytterbium oder Holmium.

    Minerale mit besonders hohem Dysprosiumanteil sind beispielsweise Xenotim und Gadolinit-(Y). Die für die Gewinnung von anderen Lanthanoiden wichtigen Erze Monazit und Bastnäsit enthalten dagegen nur geringe Mengen Dysprosium.

    Die wichtigsten Quelle für Dysprosium sind ionenadsorbierende Tonminerale (Tonlagerstätten) aus Südchina (Provinzen Jiangxi und Guangdong) und Myanmar.

    Die Seltenen Erden sind in den Tonlagerstätten nicht Teil einer Kristallstruktur, sondern als Ionen an Tonpartikel adsorbiert. Dadurch lassen sie sich durch ein Ionenaustauschverfahren besonders einfach und kostengünstig gewinnen. Entscheidend ist, dass diese Lagerstätten stark mit den begehrten schweren Seltenen Erden wie Dysprosium und Terbium angereichert sind.

  • Gewinnung

    Nach einer aufwändigen Abtrennung der anderen Dysprosiumbegleiter wird das Oxid mit Fluorwasserstoff zum Dysprosiumfluorid umgesetzt. Anschließend wird mit Calcium unter Bildung von Calciumfluorid zum metallischen Dysprosium reduziert. Abtrennung verbleibender Calciumreste und Verunreinigungen erfolgen in einer zusätzlichen Umschmelzung im Vakuum. Nach einer Destillation im Hochvakuum gelangt man zum hochreinen Dysprosium.

    Die kommerzielle Trennung erfolgt durch Flüssig-Flüssig-Extraktion oder Ionenaustauschverfahren. Das Metall wird durch metallothermische Reduktion der wasserfreien Halogenide mit Alkali- oder Erdalkalimetallen hergestellt. Das Metall wird durch Vakuumdestillation weiter gereinigt. Dysprosium existiert in drei allotropen (strukturellen) Formen. Die α-Phase ist dicht besetzt hexagonal (HCP [vgl. Kristallstrukturen]) mit a = 3,5915 Å und c = 5,6501 Å bei Raumtemperatur. Bei Abkühlung auf ~90 K (-183 °C bzw. -297 °F) wird die ferromagnetische Ordnung von einer orthorhombischen Verzerrung des HCP-Gitters begleitet. Die β-Phase hat a = 3,595 Å, b = 6,184 Å und c = 5,678 Å bei 86 K (-187 °C, oder -305 °F). Die γ-Phase ist körperzentriert kubisch (BCC) mit a = 4,03 Å bei 1381 °C (2518 °F).

  • Verwendung

    Die Haupteinsatzgebiete von Dysprosium sind Legierungszusätze zu Nd2Fe14B-Permanent­magnet­werk­stoffen (bei denen ein Teil des Neodyms durch Dysprosium ersetzt ist), um sowohl den Curie-Punkt als auch insbesondere die Koerzitiv­feld­stärke zu erhöhen und damit das Hoch­temperatur­verhalten der Legierung zu verbessern. Das Metall ist auch Bestandteil des magneto­striktiven Terfenol D (Tb0,3Dy0,7Fe2).

    Dysprosium wird wegen seines relativ hohen Neutronen­absorptions­quer­schnitts in Steuer­stäben für Kernreaktoren verwendet; seine Verbindungen wurden zur Herstellung von Laser­materialien und Phosphor­aktivatoren sowie in Halogen-Metall­dampf­lampen verwendet.

    Die wirtschaftliche und technische Bedeutung von Dysprosium ist relativ gering. So wird seine Fördermenge auf weniger als 100 Tonnen pro Jahr geschätzt. Es findet Verwendung in verschiedenen Legierungen, in Spezialmagneten und mit Blei legiert als Abschirm­material in Kern­reaktoren. Jedoch gerade die Verwendung in den Magneten für Wind­kraft­anlagen hat diese Metalle der Seltenen Erden zum raren Rohstoff gemacht, zudem drosselt der weltweit größte Lieferant China seine Lieferung, um die eigene Wert­schöpfung zu erhöhen.

    Dysprosium-Oxid – Chemisch verhält sich Dysprosium wie eine typische drei­wertige Seltene Erde und bildet eine Reihe von hell­gelben Ver­bindun­gen, deren Oxidations­zustand +3 ist.

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Cerium

Cerium • Ce • Ordnungszahl 58

Cerium

Cer ist ein silbergraues, relativ weiches, duktiles, paramagnetisches und reaktives Metall. Es ist das am häufigsten vorkommende Lanthanoid und ist in etwa so häufig wie Kupfer. Es gehört zu den leichten Seltenen Erden.

1803 entdeckten der schwedische Chemiker Jöns Jacob Berzelius zusammen mit Wilhelm Hisinger das Element. Unabhängig davon entdeckte es zeitgleich auch der deutsche Chemiker Martin Klaproth. Es wurde nach dem kurz zuvor entdeckten Zwerg­planeten Ceres benannt.

Wie die meisten der Seltenerd­elemente wurde auch dieses zunächst in Form seines Oxids, des sogenannten Ceriumdioxid (Cer(IV)oxid), identifiziert und erst Jahrzehnte nach seiner Entdeckung als reines Metall gewonnen.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte Carl Auer von Welsbach mit großem Erfolg zwei Produkte, die den Einsatz von Cer erfordern: Gashüllen und Feuersteine (Zündstein). Auers Gashüllen ermöglichten ein helles, weisses Licht in Gaslampen.

Wie andere Elemente der Seltenen Erden ist Cer in der Natur nie in seiner reinen Form zu finden. Es wird aus Mineralien wie Xenotim, Monazit und Bastnäsit oder aus Ionen­-Adsorp­tions­tonen gewonnen.

  • Vorkommen

    Cer wird hauptsächlich aus cerhaltigem Monazit und Bastnäsit gewonnen. Es kommt auch in Allanit, Zerit, Samarskit und dem Titanmineral Perowskit vor. Es wird in den USA, China, Russland, Australien und Indien abgebaut.

    In der Natur kommen vier stabile bzw. besonders langlebige Isotope vor: stabiles Cer-140 (88,48 Prozent) und radioaktives Cer-142 (11,08 Prozent), Cer-138 (0,25 Prozent) und Cer-136 (0,19 Prozent). Ohne die Kernisomeren wurden insgesamt 38 radioaktive Isotope von Cer charakterisiert. Sie liegen in der Masse zwischen 119 und 157 mit Halbwertszeiten von nur 1,02 Sekunden für Cer-151 und 5 × 1016 Jahren für Cer-142.

    Cer-oxid
  • Gewinnung

    Das Metall wird durch Elektrolyse und metallo­thermische Reduktion der Halogenide mit Alkali- oder Erd­alkali­metallen hergestellt. Es existiert in vier allotropen (strukturellen) Formen. Die α-Phase ist flächen­zentriert kubisch (FCC) mit a = 4,85 Å bei 77 K (-196 °C, oder -321 °F). Die β-Phase bildet sich knapp unter Raum­temperatur und ist doppelt dicht gepackt hexagonal (DHCP) mit a = 3.6810 Å und c = 11.857 Å. Die γ-Phase ist die Raum­tempe­ratur­form und ist kubisch flächen­zentriert (FCC) mit a = 5.1610 Å bei 24 °C (75 °F). Die δ-Phase ist kubisch-körper­zentriert (BCC) mit a = 4,12 Å bei 757 °C (1.395 °F).

    Nach einer aufwendigen Abtrennung der Cer-Begleiter wird das Oxid mit Fluor­wasser­stoff zum Cer­fluorid umgesetzt. Anschließend wird es mit Calcium unter Bildung von Calcium­fluorid zum Cer reduziert. Die Abtrennung verbleibender Calciumreste und Verun­reinigungen erfolgt in einer zusätzlichen Umschmelzung im Vakuum.

  • Verwendung

    Obwohl Seltene Erden als kritische Rohstoffe eingestuft werden, trifft Knappheit nicht auf alle Seltenerdelemente zu. Wie bereits erwähnt ist Cer das häufigste unter den Seltenen Erden. Da die Seltenen Erden in Lagerstätten stets zusammen vorkommen und abgebaut werden, führt dies bei Cer (und Lanthan, dem zweithäufigsten Seltenerdelement) zu einer erheblichen und anhaltenden Überproduktion.

    Trotz Nachfrage nach Cer und Lanthan, ist diese bei weitem nicht groß genug, um das massive Angebot aufzunehmen, das durch den Abbau anfällt.

    Seine Fähigkeit, zwischen den Oxidationsstufen Ce³⁺ und Ce⁴⁺ zu wechseln, macht es besonders nützlich in katalytischen und redoxaktiven Prozessen. Die größte Anwendung für Cer ist etwa in Auto-Abgaskatalysatoren. In Drei-Wege-Katalysatoren ist Ceroxid eine entscheidende Komponente. Ein weiterer großer Anwendungsbereich ist in Fluid Catalytic Cracking(FCC)-Katalysatoren in Ölraffinerien.

    Ceroxid (CeO₂) ist außerdem ein hervorragendes Poliermittel für Glas, Linsen und Siliziumwafern.

    In der Glas- und Keramikindustrie wird Cer Glas und Glasuren als Zusatzstoff beigemischt, um bestimmte Eigenschaften zu erreichen. Etwa zum Entfärben durch die Beseitigung von Verunreinigungen im Glas und Keramikglasuren. Dadurch wird Glas klarer und Keramikglasur reiner. Cer kann Glas auch eine gelbe Färbung verleihen, die als Schutz vor UV-Strahlung genutzt wird.

    Cer wird auch weiterhin für Beleuchtungen genutzt. In Energiesparlampen verbessert Cer in Leuchtstoffphosphoren die Lichtqualität. In weißen LEDs sind Cer-dotierte Leuchtstoffe (z.B. YAG:Ce) die Schlüsselkomponente. 

    In kleinen Mengen Aluminium- oder Magnesiumlegierungen zugesetzt, verbessert es deren Korrosionsbeständigkeit und mechanische Eigenschaften.

    Cerhaltige Beschichtungen und Konversionsschichten (z.B. auf Aluminium oder Stahl) bieten einen hervorragenden Schutz gegen Korrosion und werden als umweltfreundlichere Alternative zu chromathaltigen Beschichtungen erforscht.

    Cerdioxid-basierte Materialien werden in Festoxid-Brennstoffzellen als Elektrolyt verwendet, da sie Ionen leitfähig sind.

    Cer-reiche Legierungen (z.B. mit Kobalt oder Eisen) können Wasserstoff absorbieren und wieder abgeben und sind Gegenstand der Forschung für Speichertechnologien.

    Cer wird auch heute noch für den Zündstein in Feuerzeugen verwendet, eine der ersten kommerziellen Anwendungen des Elements im 19. Jahrhundert, eingeführt vom geschäftstüchtigen Chemiker Carl Auer von Welsbach.

  • Besonderheiten

    Das silbrigweiß glänzende Metall ist hinter Europium das zweitreaktivste Element der Lanthanide. Oberflächliche Verletzungen der schützenden gelben Oxidschicht entzünden das Metall. Oberhalb von 150 °C verbrennt es unter heftigem Glühen zum Cerdioxid. Mit Wasser reagiert es zum Cerhydroxid.

    Cer kommt in Verbindungen als dreiwertiges, farbloses oder vierwertiges, gelbes bis orangefarbenes Kation vor.

    Unter Wärmeeinfluss wird es durch Ethanol und Wasser sehr stark angegriffen. Auch in Laugen wird es unter Bildung von Cer-Hydroxiden stark angegriffen. In Säuren wird es zu Salzen gelöst. Da sich die chemischen Eigenschaften der Seltenen Erden ähneln, wird metallisches Cer selten in Reinform eingesetzt, sondern in der Mischung, in der es bei der Herstellung aus den Seltenerd-Mineralien anfällt, dem sogenannten Mischmetall.

    Cer ist, wie alle Lanthanoide, leicht giftig. Metallisches Cer kann sich schon ab 65 °C entzünden. Als fein verteiltes Metall kann es sich an der Luft ohne Energiezufuhr erhitzen und schließlich entzünden. Die Zünd­bereit­schaft hängt u. a. sehr stark von der Korngröße und dem Verteilungsgrad ab. Cerbrände dürfen nicht mit Wasser gelöscht werden, da sich dabei explosives Wasserstoffgas entwickeln würde.

    Cer unterscheidet sich neben Praseodym und Terbium von den anderen Seltenen Erden dadurch, dass es Verbindungen bildet, in denen seine Oxidationsstufe +4 ist. In Lösungen ist es sogar die einzige Seltene Erde, die eine +4 Oxidationsstufe aufweist. Salze des Ce4+-Ions (Kernsalze), die leistungsfähige, aber stabile Oxidationsmittel sind, werden in der analytischen Chemie verwendet, um oxidierbare Substanzen wie Eisen (Eisen in der Oxidationszone +2) zu bestimmen. Cer in seinem Oxidationszustand von +3 verhält sich wie eine typische Seltene Erde.


    Allgemein
    Name, Symbol, Ordnungszahl Cer, CE, 58
    Serie Lanthanoide
    Gruppe, Periode, Block La, 6, f
    Aussehen silbrig weiß
    CAS-Nummer 7440-45-1
    Massenanteil an der Erdhülle 43ppm
    Atomar
    Atommasse 140,116 u
    Atomradius 185 pm
    Kovalenter Radius 204 pm
    Elektronenkonfiguration [Xe] 4f 1 5d 1 6s 2
    1. Ionisierungsenergie 5,5386(4) eV ≈ 534 KJ/mol
    2. Ionisierungsenergie 10,956(20) eV ≈ 1057 KJ/mol
    3. Ionisierungsenergie 20,1974(25) eV ≈ 1949 KJ/mol
    4. Ionisierungsenergie 36,906(9) eV ≈ 3561 KJ/mol
    5. Ionisierungsenergie 65,55(25) eV ≈ 6320 kJ/mol
    Physikalisch
    Aggregatszustand fest
    Kristallstruktur kubisch flächenzentriert
    Dichte 6,773 g/cm3 (25 °C)
    Mohshärte 2,5
    Magnetismus paramagnetisch (χm = 1,4 * 10−3)
    Schmelzpunkt 1068 K (795 °C)
    Siedepunkt 3743 K (3470 °C)
    Molares Volumen 20,69 * 10-6 m3/mol
    Verdampfungswärme 398 KJ/mol
    Schmelzwärme 5,5 KJ/mol
    Schallgeschwindigkeit 2100 m/s bei 293,15 K
    Elektrische Leitfähigkeit 1,35 * 106 S/m
    Wärmeleitfähigkeit 11 W/(m*K)

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